Seltene Liborius-Handschrift in Österreich entdeckt

Der 7. Textzeuge der Paderborner Translatio des hl. Liborius ist gefunden

© repro: de VryRepro

Paderborn (pdp). In einer Klosterbibliothek in Österreich ist ein wichtiger Textzeuge der Vita und Translatio des hl. Liborius entdeckt worden. Bislang existierten weltweit nur 6 bekannte Versionen dieses am Ende des 9. Jh. unter Bischof Biso von Paderborn verfassten stilistischen Meisterwerkes.

Wie der Geschäftsführer der Liborius-Gesellschaft Paderborn, Prof. Dr. Volker de Vry, mitteilte, ist der in einem Codex aus dem 15. Jahrhundert hervorragend erhaltene Textzeuge 36 Seiten lang. Er enthält den kompletten lateinischen Text über das Leben und die Überführung der Gebeine des hl. Liborius im Jahre 836 von Le Mans nach Paderborn. Ob die Version von den anderen Texten abweicht oder sog. Eigengut enthält, will de Vry nun anhand einer in solchen Fällen üblichen Kollationierung herausfinden. „Die mittelalterliche Handschrift stammt aus dem Kloster Bordesholm in Schleswig-Holstein. Ihre Entstehung steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Vervielfältigung von Liborius-Handschriften im Kloster Böddeken bei Paderborn und in der Windesheimer Kongregation. Der Codex wird möglicherweise das entscheidende Puzzle-Teilchen sein, um endlich die Überlieferungsgeschichte der Liborius-Texte des Paderborner Anonymus zu entschlüsseln“, so de Vry. Für die Liborius-Forschung ist er von überragender Bedeutung.
Seit 1997 war kein derart bedeutender Zeuge der Vita und Translatio des hl. Liborius wieder aufgefunden worden.“