Die Gleichstellung von Mann und Frau in der Religion

Auftaktveranstaltung des Internationalen Frauentags 2017

© Stadt PaderbornAuftaktveranstaltung

Am Samstag, 4. März, fand in den Räumlichkeiten des Historischen Rathauses die Auftaktveranstaltung des Internationalen Frauentags statt, organisiert von der Gleichstellungsstelle der Stadt Paderborn. In diesem Jahr stand die Veranstaltung unter dem spannenden und aktuellen Thema „Das Bild der Frau in der Religion“.

Die Journalistin Brigitte Büscher, die bereits zum vierten Mal die Auftaktveranstaltung moderierte, betonte die lange und bedeutende Tradition dieses Tages. „Dieser Tag ist ein sehr inhaltsreicher Tag und bietet zahlreiche Möglichkeiten“, so Büscher.
Auch der zweite stellvertretende Bürgermeister Martin Pantke unterstrich die Bedeutung der Gleichstellung von Mann und Frau, welche sich immer noch nicht auf allen Bereichen durchsetze. „Ohne diese Gleichheit kann sowohl kein ökonomischer als auch kein kulturell-gesellschaftlicher Fortschritt realisiert werden.“ Insbesondere die Thematik der diesjährigen Veranstaltung zeige, wie wichtig die Gleichstellung von Mann und Frau sei.

Dagmar Drüke, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Paderborn, betonte, dass in Paderborn eine religiöse Vielfalt herrsche. „Paderborn ist eine internationale Stadt mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen und Religionen. Somit wird der kulturelle Austausch immer wichtiger. Der Integrationsrat oder das Fest der Begegnung sind wunderbare Institutionen, die zeigen, wie kulturelle Vielfalt gelebt wird.“ Um dies zu erreichen, sei eine stetige Arbeit zentral. Darüber hinaus unterstrich Drüke, dass sich Frauen gegenseitig stark machen müssen für die Rechte der Frauen.

Um sich intensiver mit der Fragestellung auseinander zu setzen, welche Stellung die Frau in den Religionen einnimmt, hielt Anne Weber einen Impulsvortrag zu dem Thema „Das Bild der Frau im Spiegel der Religionen.“ Sie studierte unter anderen Philosophie, Katholische Theologie, Japanologie und Geschichte und arbeitet am Zentrum für Komparative Theologie und Kulturwissenschaften der Universität Paderborn.
In ihrem Vortag stellte sie heraus, dass die Religionen zur Legitimation der Unterdrückung von Frauen genutzt werden. Dabei nahmen Frauen in den alten religiösen Schriften eine wichtige und positive Funktion ein. So haben Frauen nach Weber mit Hilfe Gottes in Bedrohungssituationen eine aktive Rolle eingenommen oder zentrale Ämter bekleidet. Als Beispiele nannte Weber Martha, Maria und Magdalena für das Christentum sowie Fatima für den Islam. Dem entgegenzustellen sei nach Weber das Buch Samuel, in dem die Frau untergeordnete Eigenschaften einnimmt. „Auch die Rolle der Frau als Mutter ist eine untergeordnete und fürsorgliche. Die Figur der Maria kann als Prototyp der Mutter bezeichnet werden“, so Weber. Treten bestimmte Verhaltungserwartungen nicht ein, komme es zu einer „legitimen“ Bestrafung der Frau. Aufgrund der hierarchischen Strukturen könne keine gleichberechtigte Stellung zwischen Mann und Frau aufkommen.
Somit sei es zentral, religiöse Texte in bestimmte gesellschaftliche Verhältnisse zu setzen, diese niemals wortwörtlich zu verstehen und kritisch zu hinterfragen. „Religiöse Schriften lassen sich als Spiegel der Zeit verstehen. Die fehlende Gleichstellung sollte man auch als Chance verstehen, an Missstände zu erinnern.“ Mit den Worten „Jeder Tag sollte Internationaler Frauentag sein“, beendete Weber ihren Vortrag.

Im zweiten Teil der Auftaktveranstaltung fand eine angeregte Podiumsdiskussion statt, um weitere Impulse zu verschiedenen Glaubensrichtungen zu setzen. Als Impulsgeberinnen konnten Prof. Bergit Peters mit dem katholischen Glauben, die Evangelin Antje Lütkemeier sowie die Muslima Lale Akgün und Modjgan Bidardel mit dem Bahá’í Glaube gewonnen werden.
Dabei stellten die Rednerinnen dar, wie sie selbst die Stellung und die Situation für Frauen in ihren Religionen sehen und beurteilen.

Die Moderatorin Brigitte Büscher leitete die Diskussion mit der Frage ein, wie die Impulsgeberinnen ihren Glauben leben. Lale Akgün betonte, dass sie ihren Glauben sehr privat lebe, da der Islam für sie eine sehr persönliche und intime Religion darstelle. Darüber hinaus gründete sie die „Muslimische Gemeinde Rheinland“, welche sehr liberal agiert.
Modjgan Bidardel hingegen ist Angehörige der Bahá’í Religion und zeigte dem Publikum Merkmale der jüngsten anerkannten Weltreligion auf. „Wir glauben an die Einheit Gottes sowie an die Einheit der Menschheit“, so Bidardel. Zudem hob sie hervor, dass die Gleichberechtigung von Mann und Frau ein zentrales Element für den Bahá’í Glauben sei.
Auch Pfarrerin Antje Lütkemeier motivierte die fehlende Gleichheit, im evangelischen Glauben ein Pfarramt auszuüben. „Meine Aufgabe ist es, Frauen sichtbar zu machen und gewohnte Denk- und Sprachmodelle aufzubrechen“, unterstrich Lütkemeier.
Darüber hinaus akzentuierte Prof. Bergit Peters die Relevanz von aktiven Frauen in der katholischen Kirche. In der Zeit ihrer Kindheit seien weibliche Messdienerinnen nicht erlaubt gewesen, das gebe ihr Hoffnung für die Zukunft.

Innerhalb der Podiumsdiskussion kristallisierte sich heraus, dass unabhängig der eigenen Glaubensrichtung die Gleichberechtigung weiter gefördert werden müsse. „In der Bahá’í Religion vergleichen wir die Menschheit mit einem Vogel. Der eine Flügel stellt den Mann dar, der andere Flügel die Frau - und ohne den einen kann der andere Flügel nicht fliegen“, so Bidardel.

Abgerundet wurde die Auftaktveranstaltung mit dem Markt der Möglichkeiten, welcher auf dem Rathausplatz stattfand. Zahlreiche Paderborner Frauennetzwerke, Frauengruppen, Institutionen und Beratungsstellen sowie ein kulinarisches Angebot lockten bei frühlingshaften Temperaturen ein großes Publikum an.