„Gewalt macht krank“: Diskussion und Austausch beim Politischen Frauencafé
Gleichstellungsstelle lud ins Paderborner Rathaus
Im Historischen Paderborner Rathaus fand am vergangenen Samstag das Politische Frauencafé statt. Zum elften Mal hat die Gleichstellungsstelle der Stadt Paderborn zu der Veranstaltung, die bisher als Politisches Frauenfrühstück bekannt war, eingeladen. In diesem Jahr stand das Thema „Gewalt macht krank – gesundheitliche Folgen für Frauen“ im Mittelpunkt des Nachmittags.
In seiner Begrüßung betonte Bürgermeister Michael Dreier die Bedeutsamkeit des Themas, das aktuell auch im Rahmen der Debatte um sexualisierte Gewalt öffentliche Aufmerksamkeit erfährt. „Wir müssen uns gemeinsam dafür einsetzen und darauf aufmerksam machen, dass es keine Gewalt gegen Frauen geben darf“, so Dreier. Er dankte den verschiedenen Organisationen, Einrichtungen und Projekten in Paderborn, die sich in der Unterstützung und Beratung von Frauen mit Gewalterfahrung sowie in der Gewaltprävention engagieren. Auch als Stadt setze Paderborn alles daran, Gewalt gegen Frauen zu verhindern. Dagmar Drüke, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Paderborn, erläuterte, dass die Veranstaltung insbesondere für die gesundheitlichen Folgen von Gewalt sensibilisieren solle. Die Verbindung der Themen Gewalt und Gesundheit habe sich aus dem besonderen Datum des diesjährigen Frauencafés ergeben, das am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und zugleich während der Frauengesundheitswochen des Kreises Paderborn stattfand.
Wichtige Impulse für den Austausch zum Thema gab der Vortrag der Universitätsprofessorin Claudia Hornberg. Als Diplom-Biologin und Diplom-Ökologin sowie Fachärztin für Umwelt, Hygiene und Umweltmedizin stellte sie verschiedene Arten von Gewalt sowie ihre gesundheitlichen Auswirkungen für die Betroffenen vor. Dazu zählten neben körperlichen Folgen wie Verletzungen oder Behinderungen auch psychosomatische und psychische Folgen, darunter Depressionen und Ängste. Gewalt stelle eine der größten gesundheitlichen Risiken dar, so Hornberg. Die Referentin, die unter anderem in der wissenschaftlichen Leitung des Kompetenzzentrums Frauen und Gesundheit NRW tätig ist, ging außerdem auf die Konsequenzen für das Gesundheitssystem ein. Die Wechselwirkungen zwischen Gewalterfahrung und gesundheitlichen Folgen müssten stärker in den Blick genommen werden, aber auch ein spezielles Training für Ärzte sei erforderlich, um entsprechende Situationen erkennen und bei den Betroffenen ansprechen zu können.
Im Anschluss berichteten weitere Expertinnen im Gespräch mit Moderatorin Julia Ures von ihrer Arbeit im Bereich Schutz vor Gewalt und Bewältigung von Gewalterfahrung. In einer gemeinsamen Diskussion standen vor allem Fragen der Gewaltprävention im Vordergrund. Unter anderem wurde die Situation von Frauen mit Fluchtgeschichte thematisiert, die auch in den Flüchtlingsunterkünften häufig Opfer von Gewalt werden. Für sie müsse etwa durch abschließbare Türen eine sichere räumliche Situation geschaffen werden. Zudem seien Ansprechpartner und therapeutische Unterstützung wichtig. Wie Bürgermeister Michael Dreier mitteilte, erarbeitet die Gleichstellungsstelle der Stadt Paderborn zusammen mit der Koordinierungsstelle für Flüchtlingsangelegenheiten derzeit ein entsprechendes Schutzkonzept. Zum Abschluss des Nachmittags wurden außerdem zwei Hilfsangebote vorgestellt, an die sich von Gewalt betroffene Frauen wenden können: Die „Anonyme Spurensicherung (ASS)“ sowie das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“, das kostenlos und vertraulich rund um die Uhr erreichbar ist. Nähere Informationen gibt es bei der Gleichstellungsstelle der Stadt Paderborn.