Gründliche Debatte über Europa nötig
Bundestagspräsident Norbert Lammert beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit im Paderborner Rathaus
Beim diesjährigen Festakt zum Tag der Deutschen Einheit am 1. Oktober hat sich Prof. Dr. Norbert Lammert in das Goldene Buch der Stadt eingetragen. Der Präsident des Deutschen Bundestages war als Festredner zu den traditionellen Feierlichkeiten des Paderborner Bürgervereins und der Stadt Paderborn in das historische Rathaus eingeladen worden.
Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des Bürgervereins Dr. Rudolf Wansleben hieß Bürgermeister Michael Dreier den scheidenden Bundestagspräsidenten in Paderborn willkommen. Lammert, der im September seine letzte Rede im Bundestag gehalten hatte, habe sich konsequent für die Belange der Bürger eingesetzt.
Der Bundestagsabgeordnete Dr. Carsten Linnemann würdigte seinen Kollegen in einem Grußwort als „Glücksfall für die Demokratie“, der sich durch klare Worte auszeichne. Als Redner genieße er großes Ansehen und sei ein Beispiel dafür, dass Würde und Humor sich nicht ausschließen. Außerdem sei Lammert einer der besten Prognostiker.
Anschließend setzte Lammert bereits zum dritten Mal seine Unterschrift in das Goldene Buch und bedankte sich für die Einladung: „Ich bin gerne gekommen, die Stadt ist immer einen Besuch wert“. In seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit blickte er nicht nur auf die Wiedervereinigung und den Fall der Mauer als Überwindung der „betongewordenen Teilung Deutschlands und Europas“ zurück. Lammert nahm den Feiertag vor allem zum Anlass, um auf die Auswirkungen der Deutschen Einheit auf heutige deutsche und europäische Entwicklungen aufmerksam zu machen. Im Mittelpunkt stand die Zukunft eines zusammenwachsenden Europas und die besondere Rolle Deutschlands in der europäischen Einigung. Die Deutschen hätten sich angewöhnt, die Errungenschaften der Einheit für selbstverständlich zu halten, die Aufgaben und Bemühungen, die sie fordere, aber als Zumutung wahrzunehmen. Deutschland müsse seine besondere Verantwortung im europäischen Integrationsprozess, die sich für eine gemeinsame Zukunft ergebe, annehmen. Die aktuelle Tendenz einiger Staaten, die nationale Souveränität wieder in den Vordergrund zu stellen, bezeichnete Lammert als „Irrweg“, bei dem es sich um ein globales Phänomen handele. Er mahnte zu einer gründlichen Debatte darüber, wo es mit Europa hingehen solle, und, so Lammert, „wie wir uns als Mitgliedstaaten verstehen im Zeitalter der Globalisierung, die durch nichts stärker gekennzeichnet ist als die gegenseitige Abhängigkeit.“ Nur in Europa, gemeinsam mit den Partnern der europäischen Gemeinschaft, seien auch für die Zukunft Deutschlands Werte wie Einigkeit, Recht und Freiheit zu garantieren.
Die Zuhörer im großen Saal des Rathauses reagierten mit begeistertem Applaus auf die Worte Lammerts. Zum Dank überreichte Dr. Rudolf Wansleben dem Bundestagspräsidenten eine Glasstele mit dem Motiv des Heiligen Liborius. Musikalisch wurde der Festakt von dem Trio „Intermezzo“ begleitet.