"Klein London"
Themenreihe: Briten in Westfalen in zehn Objekten
Am 20. Oktober beginnt im neuen Stadtmuseum am Abdinghof die Sonderausstellung "Briten in Westfalen", die die britische Besatzung und Truppenstationierung mit ihren Auswirkungen auf Menschen und Region zeigt. Die Ausstellung ist in fünf Themenbereiche gegliedert, darunter "Klein London". Unter diesem Schwerpunkt wird in der Ausstellung das Leben in britischen Siedlungen vorgestellt.
Ab den 1950er-Jahren wurden in deutschen Städten britische Siedlungen gebaut. Es gab in Westfalen alles, was zum Leben gebraucht wurde. Ärzte, Schulen, Krankenhäuser, Postämter, Freizeitmöglichkeiten und Supermärkte – die Siedlung musste selten verlassen werden. Nach 1990 wurden Verträge mit deutschen Einrichtungen, wie zum Beispiel Krankenhäusern, geschlossen, wodurch die Autarkie reduziert wurde. Auch in Paderborn gibt es englische Rezeptionen in manchen Krankenhäusern und die Post der Briten kann bei der britischen Post mit britischer Marke aufgegeben werden.
Das Leben in den Siedlungen war überall ähnlich und mit klaren Strukturen verbunden. Es war schwierig für manche Briten, aus ihren Siedlungen auszuziehen und dann mitten in der deutschen Gesellschaft zu leben, obwohl sie schon jahrelang in Deutschland wohnten. Viele Deutsche erlebten diese Abgeschlossenheit ebenfalls und waren, obwohl die Siedlungen nicht eingezäunt waren, noch nie in einer solchen britischen Siedlung. In der Ausstellung „Briten in Westfalen“ wird aus diesem Grund auch ein Blick in die Kasernen und Siedlungen gewährt, um den Alltag der britischen Nachbarn kennenlernen zu können.
In der Ausstellung ist ein besonderer Dekorationsgegenstand zu sehen - ein kleines Haus, das einen ganz besonderen Zweck erfüllt: Es zeigt die Stationierungsorte der Familie Faux und macht deutlich, dass britische Familien oft umziehen mussten und es in Westfalen durchaus viele Stationierungsorte gab, an welche die Familien manchmal auch zurückkehrten.
Das Thema Schule wird in der Ausstellung im Stadtmuseum am Abdinghof ebenfalls genauer beleuchtet. Die ersten britischen Familien kamen in September 1946 in Deutschland an. Aus diesem Grund wurden auch Schulen gegründet, welche sich zunächst provisorisch in beschlagnahmten Häusern befanden. Die Schulen und auch die Bildungsangebote verbesserten sich über die Jahre, mehr und mehr Schulen wurden gegründet. Einige Kinder gingen auf Internate, um ihnen mehr Stabilität zu ermöglichen, da sonst aufgrund der vielen Umzüge ein häufiger Schulwechsel vorgenommen werden musste.
Die britischen Schulen haben ein sehr strukturiertes System und Leitbild. Die Schüler kennen den Rechte- und Pflichtenkatalog und können ihre Rechte einfordern, müssen aber auch ihren Pflichten nachkommen. Als Belohnungssystem für die Schüler dienen oft Sticker, wie auf einem Ausstellungsstück, einem Pullover der Bishop School, zu sehen ist. In dem Wappen der Schule wurde das „Drei-Hasen-Fenster“ verarbeitet, um die Zugehörigkeit zur Stadt Paderborn zu kennzeichnen.
Besucher der Ausstellung können sich ebenfalls Filmausschnitte aus den 60er-Jahren anschauen, die das Werben für britische Lehrer an Militärschulen zeigen.