Zeugnisse der jüdischen Kultusgeschichte

Das neue Stadtmuseum erweitert seine Sammlung

© Stadt PaderbornMit der Urkunde zur Grundsteinlegung der alten Synagoge 1881:, Nora Oeynhausen
© Stadt Paderborn (Stadtarchiv)Mitten in der Stadt:

Die historische Sammlung der Stadt Paderborn ist durch hervorragende Zeugnisse der jüdischen Kultusgeschichte erweitert worden. Monika Schrader Bewermeier, Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und Alexander Kogan, Vorsitzender der jüdischen Kultusgemeinde Paderborn, haben den Verantwortlichen des neuen Stadtmuseums Am Abdinghof, Markus Runte und Andreas Neuwöhner, Objekte für die Dauerausstellung des Museums übergeben.

Unter den Objekten ist das heute noch einzig erhaltene Dokument der alten Synagoge am Busdorfwall: eine handschriftlich angefertigte Urkunde zur Grundsteinlegung am 15. März 1881. Im neuen Stadtmuseum wird die Urkunde als sogenanntes Faksimile, eine hochwertige und originalgetreue Nachbildung, gezeigt.

Die alte Synagoge am Busdorfwall ist zentraler Bestandteil einer Ausstellungseinheit. Ein 3D-Modell, entwickelt von der TU Darmstadt, wird den eindrucksvollen Bau am Busdorfwall wieder auferstehen lassen. Sie war bis zu ihrer Zerstörung im Jahr 1938 ein architektonisches Wahrzeichen der Stadt. Im Dezember 1860 hatte die Gemeinde ein Grundstück des ehemaligen Bustorfstiftes gekauft, um dort für die florierende Gemeinde ein repräsentatives Gotteshaus zu errichten. Im August 1882 konnte die Synagoge eingeweiht werden. Der achteckige Bau aus gelben Ziegelsteinen mit kleinen Zwiebeltürmchen hob sich deutlich von den christlichen Kirchenbauten ab und bot Platz für ca. 300 Personen. Ein Gemeindehaus stand ebenfalls zur Verfügung. Am 10. November 1938 steckte die SS die Synagoge in Brand. Die Ruinen wurden noch im gleichen Jahr abgetragen.

Die Ausstellungseinheit mit ihren zahlreichen Objekten verdeutlicht Traditionen und Bräuche der jüdischen Kultusgeschichte, hierunter auch eine handgestickte Decke sowie eine Thora-Rolle aus dem 19. Jahrhundert - wertvollstes Gut des jüdischen Kultus. Sie gibt die von Hand auf Pergament niedergeschriebenen fünf Bücher Moses wieder.

Das Stadtmuseum Am Abdinghof mit seiner neuen Dauerausstellung und zahlreichen weiteren Angeboten wird am 9. Oktober eröffnet.