Klassik trifft Moderne

Außergewöhnliches Kammerkonzert im Residenzmuseum

© Tim Kloeckervision string quartett Klassik, Tim Kloecker
© Tim Kloeckervision string quartett Rock, Tim Kloecker

Am kommenden Sonntag, 21. Januar 2018 um 18 Uhr spielt das vision string quartet im Audienzsaal im Residenzmuseum Schloß Neuhaus ein außergewöhnliches Kammerkonzert. Das Konzert ist Teil der städtischen Kammermusikserie, aber auch Teil der WDR 3-Kammerkonzerte in NRW und wird vom Sender für den Rundfunk mitgeschnitten. Die vier jungen Musiker stellen derzeit erfolgreich die Konzertwelt auf den Kopf, denn sie wandeln traumhaft sicher und auf bestem Niveau zwischen dem klassischen Streichquartett-Repertoire, Eigenkompositionen und Arrangements aus Jazz, Pop und Rock hin und her. Ihre Konzerte bestehen stets aus einem klassischen Teil – in Schloß Neuhaus werden das Werke von Mozart („Dissonanzen-Quartett“) und Ligeti („Métamorphoses nocturnes“) sein – und einem zweiten Teil mit eigenen Arrangements. Der erste Teil wird rein akustisch im Kammermusik-Ambiente gespielt, der zweite Teil mit elektrischer Verstärkung für den richtigen Sound und moderner Lichttechnik für die richtige Atmosphäre.

„Wir spielen im zweiten Teil viel rhythmischer, betonen plötzlich die Off-Beats. Die Pizzicati vom Cello klingen durch einen Subwoofer wie ein Kontrabass und wir erzeugen Grooves mit den Bögen“, erklärt der Geiger Daniel Stoll in einem Interview, ergänzt aber, dass man keinem die Ohren wegpusten, sondern immer noch Kammermusik darbieten wolle. Beide Teile hätten etwas miteinander zu tun, weil sich die Haltung beim Spielen gegenseitig beeinflusst: „Streichquartett ist grundsätzlich sehr traditionsbehaftet. Wenn man sich davon mal löst und auch die klassischen Werke mit der inneren Haltung eines Popmusikers spielt, dann kann man plötzlich ganz anders zeigen, wie sehr die Musik mitreißt.“

Grundlage ist aber auch für Eigen-Arrangements eine exzellente klassische Ausbildung bei Lehrern wie Günter Pichler, dem Primarius des ehemaligen Alban Berg Quartetts. Reihenweise Erfolge bei Wettbewerben der klassischen Musik beweisen die Klasse: 2016 gewann das Quartett beim Felix Mendelssohn Bartholdy Wettbewerb in Berlin den 1. Preis sowie alle Sonderpreise, später den renommierten Würth-Preis, zu dessen ehemaligen Preisträgern das Artemis Quartett, Gustavo Dudamel und Claudio Abbado zählen, außerdem den Publikumspreis der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Große Wellen schlug der spektakuläre Erfolg beim internationalen Streichquartett-Wettbewerb in Genf im November 2016, der mit dem 1. Preis und allen vier (!) Sonderpreisen.

„Als wir dann den Veranstaltern vorschlugen, im ersten Teil ernste Stücke zu spielen und im zweiten unsere Arrangements, bekamen wir oft zu hören: Bei unserem Publikum geht das nicht“, berichtete Bratschist Sander Stuart in einem Interview. So begann das Ensemble, die Eigenen-Arrangements als Zugaben zu spielen. „Wenn wir unsere Zugaben gespielt hatten, kamen viele Kammermusik-Abonnenten zu uns und sagten: Davon hätten wir gerne mehr gehört.“

Längst gibt der Erfolg dem Quartett recht: Die Veranstalter reißen sich um die vier Jungs aus Berlin. Es reihen sich Auftritten in großen klassischen Konzertsälen wie dem Gewandhaus Leipzig, der Tonhalle Düsseldorf, der Elbphilharmonie Hamburg und dem Konzerthaus Berlin an Konzerte bei Musikfestivals wie dem Rheingau Musik Festival und dem Schleswig-Holstein Musik Festival und Ballettkooperationen unter John Neumeier bis hin zu Klanginstallationen beim 360 Grad Streichquartettfest. Auch das Kultursekretariat NRW fördert die Konzerte mit dem Quartett in seinen Mitgliedsstädten. Die Rundfunkanstalten schneiden immer wieder Konzerte mit – so ja auch in Schloß Neuhaus. Seit April 2015 hat der SWR das Quartett als „SWR2 New Talent“ unter seine Fittiche genommen. Die SWR2-Jury sieht in den vier Streichern „eine junge Generation von Kammermusikern, die offen und aktiv mit innovativen Konzertformaten experimentieren.“

Karten für das Konzert in Schloß Neuhaus sind zu Preisen zwischen 17 Euro und 7,50 Euro im Ticket-Center am Marienplatz und an der Abendkasse erhältlich.