„Und dann waren sie einfach weg“

Gedenkveranstaltung anlässlich des Brandanschlags von Solingen

© Stadt PaderbornGedenkveranstaltung Brandanschlag Solingen

25 Jahre nach dem Brandanschlag auf eine türkische Familie aus Solingen gedachten am Dienstag, 29. Mai, zahlreiche Paderbornerinnen und Paderborner der Opfer. Fünf Menschen waren 1993 bei dem rechtsextremistischen Anschlag gestorben, als die vier Täter das Haus der Familie Genç anzündeten. Das jüngste Opfer war gerade einmal vier Jahre alt. Die Angehörigen und Verletzten leiden noch heute an den Folgen. „Das ist der traurige Höhepunkt einer Reihe von rassistischen Anschlägen“, erklärte Bürgermeister Michael Dreier in seiner Eröffnungsrede. Erst wenige Tage vor dem Anschlag war nach heftigen Diskussionen das Asylrecht angepasst worden. Der Integrationsrat der Stadt Paderborn initiierte die Gedenkfeier auf dem Rathausplatz, an der etwa 40 Bürgerinnen und Bürger teilnahmen. Dreier betonte vor allem die lobenswerte Einstellung der ältesten Überlebenden Mevlüde Genç, die bereits kurz nach dem Anschlag zur Versöhnung aufrief. Darüber hinaus dürfe man nicht davon ausgehen, dass Rassismus und Fremdenhass verschwunden seien: „Jeder hat die Verantwortung, zum friedlichen Miteinander beizutragen.“ Landrat Manfred Müller bezeichnete den Mord an der Familie als Verletzung der Menschenrechte und erinnerte an die belastete Geschichte Deutschlands. "Solingen ist aber noch nicht so lange her“, ermahnte er: „Wir sind gemeinsam dazu verpflichtet, für die Menschenwürde einzutreten.“ Recep Alpan, Vorsitzender des Integrationsrates der Stadt Paderborn, rief dazu auf, deutlich Stellung gegen Rassismus zu beziehen: „Die Paderborner stehen für Toleranz, Akzeptanz und Vielfalt.“ Im Anschluss beteten Pastor Georg Kersting und Pfarrerin Antje Lütkemeier gemeinsam mit den anwesenden Gästen. Imam Hüseyin Demirci las aus dem Koran vor.