Jahreskonferenz Inklusion in Paderborn

Besonders unsichtbare Barrieren müssen abgebaut werden

© Stadt PaderbornInklusionskonferenz 2018, Lea Giesen, Paderborn

Die Sichtbaren und unsichtbaren Barrieren für Menschen mit Behinderung standen im Fokus bei der diesjährigen Inklusionskonferenz der Koordinierungsstelle für Inklusion der Stadt Paderborn im Hotel Aspethera. Rund 120 Besucherinnen und Besucher verfolgten den humorvollen Auftritt von dem zweifachen Buchautor (Der halbe Mann, Bloß keine halben Sachen) und Life Award 2017 Gewinner Florian Sitzmann sowie das Theaterstück der Menschenkünstler unter der Leitung der Kulturnadel-Trägerin Christa Hökel und diskutierten in der anschließenden Diskussionsrunde fleißig mit.

Schon in seiner Begrüßungsrede machte Bürgermeister Michael Dreier deutlich, dass die Inklusion ein wichtiges Thema für die Stadt Paderborn ist. Bereits seit fünf Jahren sei man gemeinsam mit vielen Akteuren auf dem Weg zu mehr Inklusion in der Stadt Paderborn. „Jeder kann zu mehr Inklusion von Menschen mit Behinderungen beitragen“, ermutigte Dreier die Teilnehmenden. Ein kleiner Schritt genüge schon oft, um Menschen mit Behinderungen mehr teilhaben zu lassen, so Dreier weiter. Dabei dankte der Bürgermeister besonders den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern sowie Vereinen und Verbänden, die sich für mehr Inklusion in Paderborn täglich engagierten.

Die nicht sichtbaren Barrieren kamen auch in dem Auftritt von Florian Sitzmann zur Sprache. Durch einen schweren Motorradunfall sitzt Sitzmann seit nun mehr 26 Jahren im Rollstuhl, doch lässt sich davon nicht bremsen, stattdessen macht er dem Leben Beine. Er machte deutlich, dass heute nicht mehr die baulichen Barrieren Probleme bereiten, sondern die in den Köpfen der Menschen. So wünschte sich Sitzmann, dass man sich öfter ein Beispiel an Kindern nehmen sollte, die offen und ohne Vorbehalte auf Menschen mit Behinderungen zugehen. Das würde vielen Menschen mit und ohne Behinderung das Zusammenleben schon erleichtern. Mobil zu sein, ist auch für Menschen mit Behinderung ein ganz wichtiges Thema so Sitzmann. Dies unterstrich auch Kulturnadel-Trägerin Christa Hökel, die zusammen mit den Menschenkünstlern, einer Theatergruppe von Menschen mit Behinderung, darauf aufmerksam machte, dass jeder anders ist, ob mit oder ohne Behinderung.

Zum Abschluss der Konferenz wurde in einem durch Frau Julia Ures kompetent moderierten Podiumsgespräch, in das auch Fragen und Anregungen aus dem Publikum einflossen, zum aktuellen Stand und zu künftigen Entwicklungen diskutiert. Sozialdezernent Walter ging besonders auf die intensive und zielorientierte Arbeit in den fünf Handlungsfeldern des städtischen Inklusionsprozesses mit weit über 100 ehrenamtlichen Akteuren ein. Die erarbeiteten Maßnahmen und Ziele seien sicherlich auf die Zukunft ausgerichtet, aber Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung der Inklusion. Das Verbesserungen oft nur in kleinen Schritten möglich werden, sei unter den vielen genannten Aspekten auch in der heutigen Konferenz deutlich geworden. Martin Pantke, stellvertretender Bürgermeister und Vorsitzender des Ausschusses für Soziales, Senioren- und Behindertenangelegenheiten stellte die schulische Inklusion als eine zielführende große Aufgabe dar, die aber zur Umsetzung von allen beteiligten Seiten weiterer großer Anstrengungen bedürfe. Das gemeinsame Lernen müsse zum Selbstverständnis ohne „Klassifizierungen“ werden. Die durchaus erfolgreiche Arbeit in den Einrichtungen zur Erziehung und Bildung zeigte auf, dass die Inklusion im Kindesalter insofern kein Thema sei, als Kinder das „Anderssein“ in der Regel ohne Vorbehalte annehmen und spielerisch das Miteinander erlernen. Christa Hökel warb für das Zusammenleben mit „anderen Menschen“ um Verständnis und Toleranz. Ihre Arbeit mit der Theatergruppe bereite allen Beteiligten viel Freude, bringe Erfüllung und Anerkennung und fördere das Selbstvertrauen und Selbstverständnis. Dies zeige sich auch in der Anerkennung durch die Aufnahme in das städtische Kulturprogramm.

Im Anschluss an das Podiumsgespräch verabschiedete Bürgermeister Michael Dreier mit einem Blumenpräsent die langjährigen Mitarbeiterinnen des Inklusionsbüros Stefanie Laufkötter und Anita Schramm, die andere berufliche Tätigkeiten übernehmen werden. Ihr persönlicher Einsatz und ihre nachhaltigen Initiativen haben dazu geführt, dass der Inklusionsgedanke in zahlreichen Tätigkeitsfeldern der Stadt und auch des öffentlichen Lebens Eingang gefunden haben. Außerdem dankte er allen Akteuren und Teilnehmern der Konferenz und wünschte ein mutiges Weitergehen auf dem gemeinsamen Weg für mehr Inklusion in Paderborn.