Viele Fragen zum Neubau der Stadtverwaltung beantwortet
Mehr als 150 Teilnehmer kamen ins Rathaus
Welche Aufgaben soll der den Neubau der Stadtverwaltung begleitende Gestaltungsbeirat haben? Wie vertragen sich die davor fahrenden Busse mit der offenen und transparenten Gestaltung des geplanten Verwaltungsneubaus? Warum ist geplant, einen Teil der Linden am Marienplatz zu entfernen?
Drei von vielen Fragen, um die es am Samstag im Paderborner Rathaus ging. Die Stadt Paderborn hatte gemeinsam mit den Architekten des geplanten Neubaus der Paderborner Stadtverwaltung zu einer Info-Veranstaltung eingeladen. Mehr als 150 Interessierte diskutierten gut zweieinhalb Stunden mit Vertretern der Stadt und mit den Architekten. Es nahmen auch Umweltverbände teil, die sich für den Erhalt der Bäume am Marienplatz einsetzen.
Bürgermeister Michael Dreier machte zu Beginn deutlich, dass das neue Dienstleistungszentrum am Marienplatz ein Begegnungszentrum für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt werden soll. Mit Einwohneramt, Café, Kinderbibliothek, Tourist-Info, Ticket-Center und vielem mehr wolle man die Innenstadt stärken und einen Lückenschluss zwischen Dom, Markt, Rathaus und Paderquellgebiet vollziehen.
Martin Behet vom Architekturbüro behet bondzio lin aus Münster stellte im Anschluss daran seinen Architekturentwurf vor. Die Einfügung in die historische Altstadt, die Schaffung eines repräsentativen Verwaltungsstandorts und die Entwicklung eines Bürgerservice nach dem Prinzip einer Markthalle seien entscheidene Eckpunkte für den Entwurf gewesen. Deshalb habe man auch drei Geschosse zu einem öffentlichen Raum zusammengeführt und dort eine große Treppe als Kaskade für den Aufenthalt als räumliches Element gewählt.
Als wirtschaftliche Lösung mit höchster Flächeneffizienz bezeichnete Sören Lühr den vorgestellten Entwurf. Der Betriebsleiter des Gebäudemanagements der Stadt Paderborn nannte Gesamtkosten von 69.5 Millionen Euro, wobei davon 13 Millionen Euro auf die Sanierung vorhandener Gebäude, 49.5 Millionen für den Neubau am Marienplatz und sieben Millionen Euro für die Umgestaltung des Marienplatzes, des Franz-Stock-Platzes und des Platzes vor dem Abdinghof entfallen. Die Stadt rechne mit einer Förderung des Landes von etwa 14 Millionen Euro. Lühr zufolge soll 2020 mit dem Abriss begonnen werden, 2021 soll der Neubau folgen, mit der Fertigstellung werde 2024 gerechnet.
Zur Umgestaltung der drei Plätze informierte Marian Enders, Freianlagenplaner von der Planergruppe Oberhausen. Man habe sich generell die Frage gestellt, was mache diese Orte aus? So sei die Idee entstanden, den Marienplatz zum Neubau hin zu öffnen. Deshalb solle auf die bestehende Mauer zum Neubau hin verzichtet werden, einige der Bäume am Marienplatz müssten dafür entfallen. Das Niveau des Marienplatzes wolle man mit Treppen senken. Als eine Art Vermittler zum Paderquellgebiet sei der Platz am Abdinghof geplant. Der Platz solle eine Rampentreppenanlage erhalten und nur noch mit Parkplätzen für Behinderte und Taxis versehen werden. Um den Erhalt der jetzigen Struktur gehe es beim Franz-Stock-Platz. Man wolle dort reparieren und die Bühne reaktvieren.
Der Gestaltungsbeirat, dem anerkannte Fachleute, wie Dr. Matthias Wemhoff, langjähriger Museumsleiter der Paderborner Kaiserpfalz und seit 2008 Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin und damit Landesarchäologe von Berlin, angehören, soll den Prozess des Neubaus eng begleiten, so Bürgermeister Michael Dreier. Zur Frage der Busse in der Fußgängerzone ging Claudia Warnecke auf die Geschichte des Prozesses ein. Die Technische Beigeordnete der Stadt nannte den Nahverkehrsplan, in dessen Rahmen mehrere Varianten untersucht worden seien. In einer Arbeitsgruppe sei unter Beteiligung von Ratsvertretern entschieden worden, dass es keine gute Alternative zum Verkehr durch die Innenstadt gebe. Auf die Frage der künftige Nutzug der Räume erklärte Monika Bürger, Leiterin des Haupt- und Personalamtes der Stadt, dass mit dem Einwohneramt und der Kinderbibliothek publikumsintensive Bereiche im Neubau untergebracht würden und dass die Flächen insgesamt flexibel gestaltet seien, so dass bei zunehmenender Digitalisierung von Verwaltungsleistungen eventuell nicht mehr benötigte Flächen dann an den Markt gebracht werden könnten. Zur Umgestaltung des Marienplatzes meldete sich Dechant Benedikt Fischer zu Wort. Die Liborius-Pfarrei als Eigentümerin des Platzes habe sich Gesprächen nicht verschlossen und werde das auch künftig nicht tun. Die Details müssten Thema weiterer Gespräche sein, der Platzcharakter solle erhalten bleiben, es dürfe keine beliebige Freifläche werden. Man müsse den besten Kompromiss finden.
Der Paderborner Rat hatte beschlossen, dass der Neubau der Paderborner Stadtverwaltung Am Abdinghof jetzt zeitnah angegangen werden soll, da ein zulässiges Bürgerbegehren nicht mehr zu erwarten sei. Die Arbeitsgruppe Stadtverwaltung solle sich nunmehr zeitnah mit der Konkretisierung der Pläne des Siegerentwurfs aus dem Architektenwettbewerb beschäftigen. Im November vergangenen Jahres hatte der Paderborner Rat dem Neubau und der Sanierung der Paderborner Stadtverwaltung bereits zugestimmt. Damit soll der Siegerentwurf des hochbaulich-freiraumplanerischen Wettbewerbs Abdinghof der behet bondzio lin architekten aus Münster mit der Planergruppe Oberhausen umgesetzt werden. Die Architekten überzeugten das Preisgericht mit einem modernen und zukunftsfähigen Entwurf, der sich auf überzeugende Weise mit den hohen städtebaulichen, freiraumplanerischen, architektonischen und funktionalen Ansprüchen des Areals und des Gebäudekomplexes auseinandersetzt.