Wo steht die Frauenbewegung heute?

Auftaktveranstaltung zum Internationalen Frauentag

© Stadt PaderbornInternationaler Frauentag 2019, Joanna Becker

Am Samstag, 9. März, fand im Historischen Rathaus die Auftaktveranstaltung zum diesjährigen Internationalen Frauentag statt. Die Gleichstellungsstelle der Stadt Paderborn hatte zwei hochkarätige Gäste geladen: Prof.in Dr.in Ute Gerhard und Alexandra Jacobi diskutierten gemeinsam über das Thema „Die Perfekte Welle? Wo steht die Frauenbewegung heute?“.

Bürgermeister Michael Dreier begrüßte zunächst gemeinsam mit der Gleichstellungsbeauftragten Dagmar Drüke sowie der Moderatorin Julia Ures die Gäste im großen Saal des Rathauses. Die Gleichstellungsbeauftragte bedankte sich herzlich bei allen Helferinnen und Helfern. „Mein besonderer Dank gilt meinen Kolleginnen der Gleichstellungsstelle der Stadt Paderborn“, betonte Dagmar Drüke.

In den thematischen Mittelpunkt der Veranstaltung rückte Dagmar Drüke sowohl den Blick auf die Geschichte der Frauenbewegung, als auch die Frage, wie sich verschiedene Generationen für die Frauenbewegung heute gemeinsam einsetzen können. Mit einem Blick auf die aktuellen Strömungen der Frauenbewegung nannte die Gleichstellungsbeauftragte Greta Thunberg als Beispiel für die Stärke der jungen Frauen. Weiterhin erläuterte sie aber auch die einseitige (Selbst-)Darstellung der Frauen, die als „Influencerinnen“ in den sozialen Netzwerken vertreten seien, in denen sich ein Großteil ausschließlich mit Mode und Ernährung befasse und so die traditionellen Klischees bediene.

Die erste Referentin, Alexandra Jacobi, Master-Studentin der Universität Paderborn und tätig in der Gleichstellungskommission der Universität, befasste sich in ihrem Vortrag mit der Frage, was den Feminismus heute ausmacht. Sie stellte heraus, dass sich die Frauenbewegung weiter differenziert und eine globalere Vernetzung geschaffen wird.

Die zweite Referentin, Prof. Dr. Ute Gerhard, betonte in ihrem Vortrag, dass Vieles für die heutigen Frauengenerationen selbstverständlich geworden sei, für das frühere Generationen haben lange kämpfen müssen. Es dürfe nicht vergessen werden, dass die Mehrheit der Frauen auf der Welt in prekären Verhältnissen lebe. „Es kommt darauf an, uns mit den Freiheiten zu verbünden. Man muss um seine Rechte kämpfen und sie verteidigen“, rief sie den Zuhörerinnen und Zuhörern im Saal ins Gedächtnis.

Musikalisch untermalt wurde der Vormittag von der Sängerin und Schauspielerin Carolin Karnuth, die die Anwesenden mit Songs wie „Die Wahrheit vertragen sie nicht“ von Georg Kreisler und „Brieftauben“ von Christiane Weber begeisterte. Begleitet wurde sie von Henjo Völker am Klavier.

Abgerundet wurde die Auftaktveranstaltung mit einem vielseitigen Nachmittagsprogramm im und um das Rathaus: Dass auch junge Frauen durchaus noch oder wieder etwas zum Thema Gleichberechtigung zu sagen haben, bewiesen die jungen Slammerinnen Sarah Lau, Eva Dreier, Evgenija Kosov und Daniela Sepehri, die jede in ihrer eigenen charakterlichen „Schreibe“ der „FrauenPower“ kommender Zeiten ihre ganz persönliche Note verliehen. Viele Paderborner Institutionen informierten auf dem „Markt der Möglichkeiten“ zu ihren Beratungsangeboten. Die Videoinstallation der KIM-Frauenanlaufstelle griff die aktuelle „Metoo“-Debatte auf und befragte die BesucherInnen nach ihren persönlichen Maßstäben: Wo wird die Grenze zum sexuellen Übergriff überschritten? Wo sind Zumutungen nicht länger hinnehmbar? Auch die multimediale Inszenierung der Projektgruppe „In der Philosophie zu Hause“ der Universität Paderborn griff ein aktuelles Thema auf: „Schönsein ist nicht genug“, so der Titel des Publikumsmagneten, der die gesellschaftlichen Fremdansprüche an die Frau gestern und heute, analysierte und sezierte.

Und wer bei der Fülle der Angebote und Denkanstöße einmal verschnaufen wollte, fand dafür im Fairen Café des Weltladens „La Bohnita“ ein gemütliches Plätzchen. Alles in allem: Ein Tag voller Diskussionen und Gespräche und eine Auftaktveranstaltung, die entscheidende Themen aufgriff und die Diskussion rund um das Thema „Gleichstellung von Frau und Mann“ mit Leben füllte.