Innovationszentrum Paderborn
Beim Neujahrsempfang der Stadt stellt Festredner Dr. Marc Zoellner die Energiewende in den Fokus
Viel Lob für einen innovativen Wirtschaftsstandort Paderborn hatte Dr. Marc Zoellner am Sonntagabend beim Neujahrsempfang der Stadt Paderborn vor rund 230 geladenen Gästen im Rathaus übrig. „Rund um Paderborn hat sich ein echtes Innovationszentrum entwickelt“, sagte er. Der Festredner sowie Geschäftsführer der Accumulatorenwerke HOPPECKE Carl Zoellner und Sohn GmbH blickte in seinem Vortrag auf das Problem des Klimawandels sowie die notwendige Energiewende und damit verbunden auf die Chancen der europäischen Wirtschaft.
China und die USA seien zwar Vorreiter in vielen Bereichen, aber „mit dem Thema Energieversorgung können wir aufsteigen“. Wenn es gelinge, die mit der Energiewende einhergehenden Probleme zu lösen, könne dies Deutschland und auch Europa zum Vorbild machen. In diesem Zusammenhang forderte Zoellner einen europäischen Geist des Aufbruchs für Innovation und Fortschritt. Wichtig dabei: „Die Ermutigung muss auch aus der Mitte der Gesellschaft selbst kommen, nicht nur von der Politik.“
Der Batterienhersteller Hoppecke hatte Anfang 2019 einen Standort an der Paderborner Wollmarktstraße eröffnet, daraus entwickelte sich die eigenständige Tochtergesellschaft Intilion. Bürgermeister Michael Dreier und die Verwaltung hätten das Unternehmen in besonderer Weise bei der Suche nach einem Standort unterstützt und ihr Know-how zur Verfügung gestellt, sagte Zoellner, der mit Intilion einen Beitrag zur Energiewende leisten möchte.
Vor den Worten Zoellners hatte Bürgermeister Dreier die Entwicklung der Stadt Paderborn im Jahr 2019 aufgezeigt und einen Ausblick auf 2020 gegeben. „Man kann nicht in die Zukunft schauen, aber man kann den Grund für etwas Zukünftiges legen – denn Zukunft kann man bauen.“ An diesem Zitat des französischen Schriftstellers Antoine de Saint Exupéry orientierte sich der Bürgermeister bei seinen Ausführungen. „Wir bauen nun am Jahr 2020“, sagte Dreier. „Das Bauwerk entsteht auf dem Fundament, das uns die vergangenen Jahre, insbesondere das Jahr 2019, geliefert haben.“ Wer an der Zukunft baue, nehme unweigerlich die Ereignisse und Erfahrungen der Vergangenheit mit.
Für die Errichtung des Bauwerks bedürfe es vier tragender Säulen. Eine davon sei die Digitalisierung. Dreier: „Ein zentrales Thema, das uns nun schon einige Zeit begleitet, nahezu alle Lebensbereiche umfasst und auch das Jahr 2020 prägen wird.“ So verwies der Bürgermeister unter anderem auf den Erhalt des jüngsten Förderbescheids, dank welchem etwa 4,7 Millionen Euro in ein regionales Gesundheitsnetzwerk investiert werden könnten. Die digitale Gesundheitsplattform werde die Versorgung der Patientinnen und Patienten spürbar verbessern. Auch in der Verwaltung werde einiges auf den Weg gebracht. Ziel sei ein besserer Service für alle Bürgerinnen und Bürger. „Zukünftig soll elektronisch und medienbruchfrei gearbeitet werden, um Prozesse zu beschleunigen.“
Als zweite Säule im Bauwerk des neuen Jahres nannte Michael Dreier den Sport. Von insgesamt 140 Sportvereinen in der Stadt befinden sich fünf in der ersten Bundesliga. „Wir machen unserem Namen als Sportstadt alle Ehre“, befand der Bürgermeister. Er verwies in diesem Zusammenhang auch auf den ersten Deutschen Jugendwandertag, den die Stadt Paderborn im Mai dieses Jahres zusammen mit dem Kreis, dem Landesverband NRW der deutschen Wanderjugend sowie dem Eggegebirgsverein ausrichten wird.
Die Wirtschaft, gut aufgestellt und mit einem attraktiven Branchenmix, sei die dritte tragende Säule des Bauwerks 2020. „Wie jeder Wirtschaftsstandort unterliegt auch der Standort Paderborn regelmäßigen Veränderungen“, sagte Dreier. Er verwies zunächst auf den Abriss des Möbelhauses Finke und den aktuell stattfindenden Neubau des Einrichtungshauses Höffner, ehe er auf die Zukunftsmeile 2 einging, wo in Kürze 600 zukunftsweisende Arbeitsplätze entstünden. Auch das Gewerbegebiet Mönkeloh entwickele sich sehr positiv weiter, der Technologiepark „prächtig“.
Dreier zeigte sich außerdem erfreut darüber, dass „die enge und gute Kooperation von Stadt, Industrie und Wissenschaft funktioniert“. Sie habe sich „gerade in den vergangenen Jahren als vorbildliches Konzept erwiesen“, was insbesondere am Beispiel des Erfolgsmodells garage33 sowie an den erfolgreichen Start-ups, die Paderborn als Standort gewählt hätten, sichtbar werde.
Als vierte und letzte tragende Säule nannte Dreier die Bildung. „Im Bereich der Bildungsangebote ist Paderborn insgesamt sehr breit aufgestellt“, sagte er. Neubaumaßnahmen sowie Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten von Kindergarten und Schulen stünden nach wie vor ganz oben auf der Prioritätenliste. Zuletzt seien etwa 7,4 Millionen in die fast fertigen Neubauten der Kitas Fontane in der Kernstadt und Bohlenweg in Elsen geflossen und so 150 neue Betreuungsplätze geschaffen worden. „Ein weiteres Bauprojekt ist die Neukonzeption des Grundschulverbundes Bonhoeffer-Heinrich mit einer Investitionssumme von 10,6 Millionen Euro. Insgesamt werde die Stadt Paderborn 2020 rund 26 Millionen Euro in städtische Gebäude investieren, einen Großteil davon in Schulen und Kindergärten.
Im weiteren Verlauf seiner Rede ging Dreier auf zahlreiche weitere Themen wie Konversion, Mobilität, den Neubau des Hauptbahnhofes sowie das neue Stadthaus ein. Letzteres könne in vielerlei Hinsicht ein „Leuchtturm“ für Paderborn werden.
Ebenso wie Zoellner nannte Dreier das Thema Klimaschutz als große Herausforderung und gesamtgesellschaftliche Aufgabe. „Wir sind stolz darauf, dass der Rat erst kürzlich der Zielsetzung zugestimmt hat, die Kohlenstoffdioxidneutralität der Stadtverwaltung, der Eigenbetriebe und der städtischen Gesellschaften bis zum Jahr 2035 zu erreichen“, sagte der Bürgermeister. Rund 720.000 Euro jährlich als Sockelbetrag wolle man künftig für konkrete Maßnahmen zur CO2-Reduzierung einsetzen.
„Lassen sie uns gemeinsam alles dafür tun, dass durch das persönliche Gespräch, durch gelebtes Miteinander und durch das aufeinander Zugehen die Verrohung in Paderborn keine Chance hat“, appellierte Dreier abschließend. „Lassen Sie uns weiterhin mit Freude und Optimismus gemeinsam - Verwaltung, Politik sowie Bürgerinnen und Bürger - die Herausforderungen angehen, die auf uns zukommen.“
Für die musikalischen Höhepunkte sorgte am Abend „TriTube“: Ulli Lettermann und Eddi Kleinschnittger musizierten mit digitalen Partnern, die für die Zuhörerinnen und Zuhörer auf einer Leinwand zu sehen waren. Michael Driesner war im Hintergrund für die perfekten technischen Abläufe verantwortlich.