Literaturtage Paderborn 2020

Abwechslungsreiche Veranstaltungen des Kulturamtes

© Markus J. BachmannTatjana Poloczek

Das Kulturamt der Stadt Paderborn ist einer der vielen Veranstalter bei den Literaturtagen in Paderborn; mal allein, mal zusammen mit Co-Veranstaltern. Gleich sechsmal ist es dabei: Am Samstag im Stadtmuseum, am Montag im und mit dem Sputnik, am Dienstag im Stadtcampus zusammen mit dem AStA der Uni und dem Literaturbüro OWL, am Mittwoch im Residenzmuseum, am Donnerstag im und mit dem Stadt- und Kreisarchiv und am abschließenden Sonntag noch einmal im Residenzmuseum.

Auf dem Programm stehen ganz unterschiedliche Annäherungen an Literatur:

Am Samstag, 7. März, dreht sich von 18 bis 22 Uhr alles um die Stadt und ihr Stadtmuseum. Im Museum wird u.a. an Jenny Aloni erinnert. Die in Paderborn geborene jüdische Autorin, die 1939 nach Palästina emigrierte und 1967 den Paderborner Kulturpreis erhielt, zog gegen Ende ihres Lebens Bilanz: „Meine Beziehungen zu Paderborn sind kompliziert.“ So heißt auch der Titel der Lesung, die ein Lebensbild der Autorin zeichnet. Für die angekündigte, aber erkrankte Sonja Szylowicki springt Tatjana Poloczek ein. Gewidmet ist die Lesung Hartmut Steinecke, dem vor wenigen Wochen verstorbenen Sachwalter des Vermächtnisses der Autorin.
Danach tanzen Gruppen aus dem Paderborner TanzBau durch das Museum. Dabei ergibt sich eine ungewöhnliche Möglichkeit, das Stadtmuseum kennenzulernen, denn das Tanztheater interpretiert jeden Raum unterschiedlich.
Die Autorengruppe ZeilenSprung nähert sich dem Museum ganz anders: „Nach einem Streifzug durchs Stadtmuseum ohne jede Erläuterung gab es für jeden von uns besondere Fundstücke, die uns zu Gedanken, Gedichten und Geschichten inspirierten. Spielt es eine Rolle, ob diese erfunden sind oder der Wahrheit erstaunlich nahe kommen?“ Nach der Lesung enthüllt Andreas Neuwöhner vom Stadtmuseum im Gespräch mit den Autoren und Autorinnen, was er über die Objekte weiß. Der Abend klingt mit Texten aus, die man zum Teil im Museum an Hörstationen hören kann, aber wenn Christina Seck und Heiko Grosche sie mit Posaune und Trompete darbieten, sind sie viel unterhaltsamer. Unter anderem geht es um Reisebeschreibungen des späten 18. Jahrhunderts, die wenig Schmeichelhaftes über Paderborn zu sagen haben: eine Stadt von drittem Range und ein Flecken, in dem ich den Geschmack um gute fünfzig Jahre zurück fand.
Die Höhe des Eintritts bestimmen die Gäste individuell selbst.

Am Montag, 9. März, um 20 Uhr folgt die Kult-Veranstaltung bei freiem Eintritt im Sputnik:
Bei allerlei Getränken streiten fünf kluge Menschen über fünf Bücher und werden sich nicht einig, denn das Los teilt ihnen die Meinung zu. Argumente und Polemik sind garantiert, denn stets ergreifen zwei Beteiligte Partei für ein Buch und zwei andere opponieren heftig. Wer gewinnt, entscheidet das Publikum. In diesem Jahr dabei sind neben Charis Goer und Heike Haase sowie Karsten Strack auch der künstlerische Leiter des Literaturfestivals „Wege durch das Land“, Albrecht Simons von Bockum Dolffs, und Andreas Schwengel, der beim AStA der Uni für politische Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Am Dienstag, 10. März, wagen ab 19.30 Uhr das Kulturreferat vom AStA, das Literaturbüro OWL und das Kulturamt der Stadt ein Experiment im Stadtcampus: Bei der Literaturparty „Schöne neue Welt“ gehen Musik, Tanzen und frisch geschriebene Literatur ineinander über. Mittelpunkt der Party sind vier Autorinnen und Autoren, die sich an dem Tag in mehreren Runden die Finger wund dichten und zu jedem Text einen tanzbaren Lieblingssong wählen. Thema der Literaturparty ist „Schöne neue Welt“. Auf das Experiment eingelassen haben sich die Rike Scheffler (Berlin), Theresa Luise Gindlstrasser (Wien), Dominik Busch (Zürich – in Paderborn bestens bekannt durch sein Stück „Das Recht des Stärkeren“, das 2019 vom Theater Paderborn gespielt wurde) und Jann Wattjes (Paderborn/Esens) als „Local Hero“.
Auch hier gilt wieder das Prinzip des selbst bestimmten Eintrittsgelds.

Am Mittwoch, 11. März, geht es ins Residenzmuseum Schloß Neuhaus. Dort dreht sich alles um den Hofmohr von Schloß Neuhaus, den es im 18. Jahrhundert wirklich gab: Als Kind von Südamerika nach Neuhaus verschleppt, wahrscheinlich aber ursprünglich aus Westafrika, wurde er dem Fürstbischof verkauft oder geschenkt und lebte in Neuhaus, wo er heiratete und eine außereheliche Tochter hatte. Hans Jürgen Rade (Paderborn) hat über ihn geforscht, die Schriftstellerin Isabelle Lehn (Leipzig) die Erzählung „Als ein Präsent aus Surinam“ über ihn geschrieben. Sie liest ihren Text, er berichtet über seine Forschung und beide sprechen über die Tücken der Aneignung historischer Stoffe. Es erklingt Musik jener Zeit. Die Autorin signiert gerne ihren Text, den man im Residenzmuseum auch kaufen kann. Eintritt: wie immer selbst bestimmt.

Eintritt frei heißt es dann am Donnerstag, 12. März von 18 bis 21 Uhr im Stadt- und Kreisarchiv: Dort kann man auf mehrere Weisen „Die Freuden des Lesens im Archiv“ erfahren, nämlich durch Führungen, bei denen das Archiv-Team gerne alle Fragen beantwortet, durch eine kleine Lesesaal-Ausstellung, bei der man mit etwas Hilfe testen kann, was man entziffern kann, vor allem aber durch Lesungen. Auch hier springt Tatjana Poloczek ein, diesmal für Max Rohland, der leider absagen musste, weil er mitten in einer Theater-Produktion steckt, die ihn zeitlich mehr fordert als gedacht. Gelesen wird aus Lieblingsdokumenten des Archiv-Teams. Manche alte Amtstexte nehmen mit der Zeit eine erstaunliche Komik an – oder aber sie waren schon immer komisch, nur dass man es zur Entstehungszeit nicht gemerkt hat.

Als letzte Veranstaltung des Kulturamts bei den Literaturtagen folgt am Sonntag, 15. März, um 18 Uhr im Residenzmuseum „Kuss und Bas“. Stargast ist Bas Böttcher. Der Bremer Wortkünstler ist fast schon ein Klassiker: Seine Texte sind längst in Schulbüchern gelandet, und er wird als deutscher Sprachbotschafter herumgereicht von der Nationalbibliothek Paris und der Berkeley University (Kalifornien) über den Kulturpalast Warschau und die Buchmesse Peking, das Goethe Institut und das Deutschlandradio bis zum bundespräsidialen Schloss Bellevue. Er lehrt am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und bekommt Aufträge von so unterschiedlichen Auftraggebern wie dem Pergamon Museum und dem DFB. Im Residenzmuseum probiert er mit dem renommierten Kuss Quartett aus, wie vertrackte Streichquartett-Sätze von Beethoven und anderen (Adès, Kurtág, Lachenmann, und Carter) mit gesprochener Wortkunst als Verbindung von Klang, Rhythmus, Zeit und Sinn zusammengehen.
Karten dafür gibt es zu Preisen zwischen 18 und 8 Euro im Paderborner TicketCenter am Marienplatz, Tel. (05251) 2 99 75 0.

Wie alle Veranstaltungen der Literaturtage finden sich auch die des Kulturamts auf www.paderborn.de/literaturtage und in einer an vielen Stellen der Stadt ausliegenden Broschüre.