Lernstatt genießt weiter hohen Stellenwert

Investitionen in technische Ausstattung: Ohne Angriffe von außen würde das System stabil laufen

© Stadt PaderbornLernstatt

Die Stadt Paderborn wird auch in Zukunft auf das digitale Vorzeigeprojekt „Lernstatt“ setzen und weiter in die integrative Plattform investieren. Das machte Bürgermeister Michael Dreier jetzt in einem Online-Pressegespräch deutlich. Ergänzend kommt außerdem an bislang 20 von 35 Paderborner Schulen Microsoft Teams zum Einsatz. Dass in den vergangenen Tagen und Wochen vermehrt Kritik an der Erreichbarkeit der zentralen Dienste der IT-Infrastruktur der Lernstatt geübt wurde, nimmt Dreier ernst: „Wir setzen alles daran, dass die Lernstatt funktioniert.“ Dies ist jedoch alles andere als einfach: Noch immer gibt es täglich massive sogenannte DDoS-Angriffe auf die Lernstatt, gegen die sich das System zur Wehr setzen muss.

17.000 Schülerinnen und Schüler sowie 2.000 Lehrkräfte nutzen mittlerweile die Lernstatt, deren Anfänge im Jahr 2000 liegen. Ziel ist es bis heute, eine einheitliche und moderne Ausstattung der Schulen mit Rechnern und Software zu ermöglichen. Allein seit 2016 sind rund 8 Millionen Euro in das Projekt geflossen, dessen Fokus bis zur Corona-Pandemie in erster Linie die Unterstützung des Präsenzunterrichtes war. „Die Lernstatt ist ein Angebot, den Unterricht digitaler zu gestalten und als Ergänzung zum Unterricht im Klassenzimmer gedacht“, machte Schuldezernent Wolfgang Walter erneut deutlich. Der jährliche Betrieb kostete bisher rund 1,4 Millionen Euro.

Während des ersten Lockdowns aufgrund der Corona-Pandemie im März vergangenen Jahres zeichneten sich schnell neue Bedarfe ab: Aufgrund der zahlreichen Zugriffe – die Nutzung von Mails steigerte sich um 300 Prozent – wurden die Serverkapazitäten kurzfristig erheblich erhöht und mit dem BigBlue Button (BBB) sehr schnell ein Tool für Webkonferenzen eingeführt sowie bis Ende des Jahres 3.000 Endgeräte konfiguriert und ausgeliefert. Im Sommer 2020 startete darüber hinaus ein neues Pilotprojekt: 8 Schulen nahmen das Angebot der Verwaltung an, ergänzend zu den bereits vorhandenen zahlreichen Anwendungen der Lernstatt Microsoft Teams zur umfassenden Unterstützung im Unterricht und für das Homeschooling einzusetzen. Die Erfahrungen der ersten Pilotschulen mit dem Einsatz von Teams sind sehr positiv.

Nun, während des zweiten Lockdowns, kommen weitere 12 Schulen dazu. 240.000 Euro sind in Technik und entsprechende Schulungen, insbesondere auch für die Lehrkräfte der Schulen, geflossen. „Bei Teams handelt es sich unter anderen um ein Videotool, das die Lernstatt mit dem BBB auch anbietet“, erklärte Walter. Es ist umfassendes Tool für die Unterstützung des digitalen Unterrichts, das neben Kommunikationsfunktionen wie der Videokonferenz auch eine Dateiablage und Notizfunktionen anbietet. Da Teams auf Microsoft-Servern liegt, sind die Kapazitäten nahezu beliebig skalierbar.

Dass es trotz größerer Serverkapazitäten in der Lernstatt ab und an zu Verzögerungen, beispielsweise beim Senden und Empfangen von E-Mails, kommt, liegt vor allem daran, dass es auch weiterhin täglich massive Angriffe auf die IT-Infrastruktur der Lernstatt gibt. Diese waren erstmals am 17. Dezember aufgetreten und pausierten während der Weihnachtsferien. „In den Ferien wurde die Infrastruktur weiter ausgebaut – ohne die Angriffe von außen wären die Anforderungen zu bewältigen“, sagte der städtische Projektleiter Burkhard Pöhler und erklärte: „Die mutwillig herbeigeführten DDoS-Angriffe zielen darauf ab, das Datennetz zu überlasten und außer Gefecht zu setzen und das macht sich leider bei der Nutzung der Lernstatt bemerkbar.“

Die Attacken, die an den Wochenenden deutlich weniger werden und mit Beginn der Schulwoche wieder zunehmen, kommen aus dem Ausland wie beispielsweise Südamerika, Asien oder Osteuropa und sind nur schwer nachzuverfolgen. Zwei Dutzend verschiedener Angriffstechniken habe es in den vergangenen 14 Tagen gegeben, informierte Ralf Bilger, technischer Leiter des städtischen Dienstleisters OWL-IT. Dank der schnellen Hilfe des Providers habe zwar die Bandbreite verdoppelt werden können, „in den Spitzen führen die Angriffe aber zu einem kurzen Blackout“, so Bilger. „Außerdem können wir uns gegen die Angriffe nur bestmöglich schützen, nicht aber aktiv dagegen vorgehen. Es verhält sich wie beim Wettkampf zwischen Hase und Igel.“

Bereits in Kürze sollen die Bandbreite und die Stabilität der Lernstatt erneut erhöht werden. „Wir nehmen zur Ausfallsicherheit einen weiteren Provider mit an Bord, die finalen Gespräche laufen“, sagte Bernd Kürpick, Geschäftsführer der GKD Paderborn.

Insbesondere bei zahlreichen Grundschulen läuft die Lernstatt aktuell problemlos. „Wir haben viele positive Rückmeldungen erhalten“, sagt Christel Rhode. Die Leiterin des Schulverwaltungsamtes nannte noch einmal beeindruckende Zahlen: Rund 3.000 Tablets konnten jüngst an die Schulen für den Ausgleich sozialer Ungleichgewichte ausgegeben werden. „Dadurch ist der Bedarf gedeckt worden, der uns von den Schulen gemeldet wurde.“ Außerdem sind in den Schulen noch einmal 1.700 Tablets in Koffersätzen vorhanden. In der weiteren Umsetzung der digitalen Ausstattung der Schulen ist geplant, alle Lehrkräfte neu mit Endgeräten auszustatten und die dadurch freiwerdenden Lehrergeräte der Schülerschaft zur Verfügung zu stellen. Dafür stehen bereits jetzt etwa 800.000 Euro an Fördermitteln bereit.

„Wir werden weiter dort, wo es nötig ist, in Personal und Technik investieren und auch weiterhin unter Berücksichtigung von Datenschutz und IT-Sicherheit innovative Lösungen vorantreiben“, bekräftigte der Bürgermeister abschließend.