Mit Fingerspitzengefühl zum Erfolg

Andreas Preising, langjähriger Leiter des Amtes für Liegenschaften und Wohnungswesen der Stadt Paderborn, geht in den Ruhestand

© Stadt PaderbornAndreas Preising
© Stadt PaderbornAndreas Preising

„Es gibt nichts nachzuholen. Gelebt ist gelebt.“ – Diese klare Botschaft gibt Andreas Preising derzeit all jenen mit auf den Weg, die ihn fragen, was er denn demnächst im Ruhestand alles machen und nachholen wolle. Der 64-Jährige, der seit rund 45 Jahren für die Stadt Paderborn tätig ist und seit 2004 das Amt für Liegenschaften und Wohnungswesen leitet, scheidet mit dem Ende des Monats Dezember aus dem Dienst aus. Auf die Suche nach neuen und tagesfüllenden Hobbies braucht er sich dann allerdings nicht zu machen: Seit vielen Jahrzehnten schlägt sein Herz für den Bundesliga-Rekordmeister Paderborner Squash Club, dessen Gründungsmitglied und Präsident er ist, er spielt Golf, ist Mitglied im Lions-Club und hat drei ehrenamtliche Aufsichtsratsmandate inne.

Eine Frage drängt sich auf: Wie lässt sich all das mit einem arbeitsintensiven Job, wie ihn Preising noch innehat, vereinbaren? „Ich habe immer alles gut in Einklang bringen können, denn ich habe ein gutes Zeitmanagement und bin gut durchstrukturiert“, sagt Preising. Und so führt ihn sein Berufsweg vom Sachbearbeiter über den Geschäftsführer direkt zum Amtsleiter.

Nach Abitur und FH-Studium baut Preising im Zuge der Gebietsreform NRW das Ausländeramt im Amt für öffentliche Ordnung der Stadt Paderborn auf. „Das war eine spannende Zeit“, wie er im Rückblick auf die Jahre 1980 bis 1984 befindet. Richtig interessant wird es für Preising dann im Rechnungsprüfungsamt (1984-1996), in dem er sich rund eineinhalb Jahre mit dem Thema Wirtschaftskriminalität befassen kann. Um Kartellrecht und Betrug auf der Baustelle geht es damals. „Es gab also auch spannende Geschichten“, sagt Preising.

Im September 1996 wird Preising im Technologiepark, der Tochtergesellschaft der städtischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft, der vierte Geschäftsführer in fünf Jahren. Es ist keine leichte Aufgabe, die auf ihn zukommt. „Am Anfang war das ein Feuerstuhl“, erinnert sich Preising, der auf einmal Reden halten und Kundenkontakte knüpfen muss. „Man glaubt es vielleicht nicht, aber ich war früher mehr als zurückhaltend.“ Diese Art legt er ab, sodass am Ende seiner Tätigkeit, acht Jahre später, der Technologiepark erfolgreich gewachsen ist und sich von 250 auf 1.100 Beschäftigte vergrößert hat. Die Auslastung beträgt 100 Prozent, Subventionen gibt es nicht. Im Technologiepark sei er sein eigener Chef gewesen, sagt Preising. „Ich konnte etwas bewegen und den Park nach vorne bringen.“ Die Technologieparkgesellschaft, deren Vorsitzender damals der mittlerweile verstorbene ehemalige Bürgermeister Willi Lüke war, baut das Gebäude „Technologiepark 3“ und steht auf eigenen betriebswirtschaftlichen Füßen. In dieser Zeit habe er viel gelernt, so Preising.

Gewissermaßen von jetzt auf gleich übernimmt Preising 2004 die Leitung des Amtes für Liegenschaften und Wohnungswesen bei der Stadt Paderborn. „Der damalige Bürgermeister Heinz Paus rief mehrfach an und ließ nicht locker.“ Nach achtjähriger Unterbrechung geht es innerhalb weniger Wochen zurück in die Verwaltung. Und das sofort als Amtsleitung. Vor der neuen Aufgabe hat Preising Respekt. „Du fragst dich, schaffst du das und passt du da rein, aber ich habe mich reingefuchst.“ Grundstücke ankaufen, entwickeln und so gestalten, dass Menschen dort gut leben können – eine facettenreiche Aufgabe. „Ich habe sicherlich nicht alle Ziele erreicht, aber im Verbund mit meinem Team, anderen städtischen Ämtern und Partnern doch so einige“, meint Preising, der im Umgang mit den Kunden auf eine vertrauensvolle Basis, sein Fingerspitzengefühl und „einen Schuss Kreativität“ setzt. „Schwierige Gespräche habe ich gern mit einem Spruch aufgelockert. So ist es mir oft gelungen, die Ziele und Wünsche des Kunden mit den eigenen Interessen zu vereinbaren.“

In den 18 Jahren beim Liegenschaftsamt (2004-heute) warten zahlreiche Herausforderungen auf Preising – als erste der Grundstückserwerb für den Bau der heutigen Home Deluxe Arena, den das Team des Amtes für Liegenschaften und Wohnungswesen mit viel Verhandlungsgeschick und Durchhaltevermögen löst. In Preisings Amtszeit fallen auch die Ansiedlung des LIDL-Zentrallagers Mönkeloh (sein erster Millionenvertrag) sowie die Weiterentwicklung des gleichnamigen Gewerbegebiets, Ankäufe und Vermarktung der Grundstücke für das Wohngebiet Springbach Höfe, der Bau der Zukunftsmeile 2 und ab 2012 auch die Konversion. „Im Mittelpunkt stand in diesem Zusammenhang 2019 der Kaufvertrag Alanbrooke mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), an dem ich als Verhandlungsführer und Unterzeichner beteiligt war“, sagt Preising. „Die Kaufverhandlungen waren ein konstruktiver Prozess. Ich konnte in Abstimmung mit anderen Stadtentwicklung gestalten.“

Eine Handvoll Tage müsste Andreas Preising bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand nur noch ins Büro kommen. Aber „das entspricht nicht meinem Naturell“, sagt er. „Ich möchte meinem Team weiterhelfen und sehe meinen Job nicht als Pflichterfüllung.“
Mehr Zeit für seine Hobbies und das Familienleben nimmt Preising trotzdem dankend an. Voller Optimismus und Vorfreude blickt er in die Zukunft. Die Stadtverwaltung verlässt er mit einem guten Gefühl. „Zeiten ändern sich und jetzt kommt eine neue Zeit“, sagt Preising.

„Mr. Squash“

Andreas Preisings große Leidenschaft ist der Squashsport. Preising zählt 1979 zu den Gründern des Paderborner Squash Clubs (PSC). Der PSC ist seit Jahren in der Bundesliga vertreten und mit insgesamt 18 Meistertiteln Rekordsieger bei den Herren. Elf Titel sicherten sich die Herren im Europapokal. Auch die PSC-Damen sind mehrfache deutsche Meisterinnen.
Seit 1981 ist Preising im Vorstand des PSC, seit 1989 steht er als Präsident an der Spitze.
„Es gibt viele Dinge aus dem Sport, die mir bei meiner Arbeit im Umgang mit Kunden geholfen haben“, sagt Preising. Teamfähigkeit, Fairness und jede Menge Elan sind nur drei davon.