Weltwassertag 2022: Der unsichtbare Schatz der Paderquellen

Heute (Dienstag, 22. März)

© Michael StröhmerMaspernpader
© Bernd Thesing, AGHKLSchachtabstieg
© PaderpediaLogo

Am Dienstag, 22. März, feiert die Welt den Weltwassertag unter dem Motto: „Unser Grundwasser, der unsichtbare Schatz“. Grund genug, sich den unsichtbaren Wasserreichtum Paderborns genauer anzuschauen:
Denn so manche Naturinteressierten stehen an den Paderquellen und fragen sich, woher das viele Wasser, welches die annähernd zweihundert Quellen speist, wohl kommen mag? Kristallklar steigt es in den Quellteichen auf, fließt aus Maueröffnungen oder sprudelt einfach aus dem Boden. Schon nach wenigen hundert Metern ist die Wassermenge so groß, dass mit Hilfe eines Wasserrades elektrischer Strom erzeugt werden kann. Wer dagegen außerhalb der Stadt auf der Paderborner Hochfläche die Landschaft durchwandert, wird dort kaum Wasser finden. Woran liegt das? Die Ursache ist im wasserdurchlässigen Kalkboden zu suchen, wodurch das Regenwasser unterirdisch hinunter bis zur Stadt Paderborn fließt.

Das von der Hochfläche abfließende Wasser lässt sichtbare Löcher im Boden entstehen, sogenannte „Ponore“. Gesichert und erforscht werden diese von ehrenamtlichen Höhlenforscherinnen und Höhlenforscher der „Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Lippe“. Dabei steigen sie mit Eimer und Hacke in die engen Schächte ab, um den Verlauf des Wassers nachvollziehen zu können. Eines dieser neu entdeckten Löcher, der sogenannte „Bakenponor“, wurde schon bis zu 20 Meter tief ausgegraben.

Unterhalb des Paderborner Doms trifft das Wasser auf eine wasserundurchlässige Mergelschicht, an der sich das Wasser staut und an der Oberfläche im Stadtkern in Quellen sichtbar wird. Dank der enormen Schüttung von durchschnittlich 5000 Litern/ sec. bildet sich aus vielen Zuläufen der kürzeste Fluss Deutschlands – die nur fünf Kilometer lange Pader.
Dieses Wissen über die Landschaftsgeschichte der Pader, deren Ökologie und vielfältige kulturhistorische Nutzung durch den Menschen, wird seit Mai 2021 auf der digitalen Plattform „paderpedia.de“ für die Nachwelt festgehalten. Interessierte Bürger*nnen können dabei selbst aktiv werden und eigene Beiträge oder Fotos an die Redaktion der neuen Online-Enzyklopädie schicken (https://paderpedia.de/kontaktformular/).

Die „Urbane Wasserlandschaft“ Paderborns ist auch Gegenstand der geplanten Bewerbung um das Europäische Kulturerbe-Siegel (EKS). Ein Ausgangspunkt dieses Kooperationsprojektes, das von der Stadt und Universität Paderborn seit letztem Jahr gemeinsam bearbeitet wird, liegt nicht zuletzt im ungewöhnlich reichen Grund- und Quellwasserschatz, welcher die gut 1200-jährige Stadtgeschichte mit prägte. Deren heute oft unsichtbaren Relikte gilt es analog zum wertvollen Grundwasser wieder ans Tageslicht zu heben. Sei es die vielfältige Wasserkraftnutzung einst zahlreicher Stadtmühlen und Wasserkünste, sei es das ökologische Wechselspiel zwischen Kulturtechniken und den Kräften der Natur entlang des Fließgewässers.

Paderborns jüngst renaturierter Stadtfluss hat in puncto Trinkwasserversorgung, Biodiversität, Seuchenprävention oder Hochwasserschutz selbst aus europäischer Perspektive ungewöhnliches wie auch überraschende unsichtbare Schätze zu bieten.