Gedenkveranstaltung am Mahnmal „An der Alten Synagoge“

Jahrestag des Novemberpogroms von 1938

© Stadt PaderbornGedenkveranstaltung, Anna-Marina Vogt
© Stadt PaderbornMahnmal, Anna-Marina Vogt

Am Mittwoch, 9. November, jährte sich das Novemberpogrom von 1938 zum 84. Mal. Zum Erinnern an den Jahrestag und Gedenken der verfolgten und ermordeten Paderborner Jüdinnen und Juden organisierten die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Paderborn e.V. und die Stadt Paderborn die jährliche Gedenkveranstaltung am Mahnmal „An der Alten Synagoge“.

Nur 56 Jahre lang stand die Paderborner Synagoge in der Nähe des heutigen Mahnmals. Sie wurde 1882 errichtet und im Zuge großer Feierlichkeiten eingeweiht, berichtete Monika Schrader-Bewermeier, die katholische Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Paderborn in ihrem Grußwort. Im Zuge reichsweiter Pogrome steckte die SS im Einvernehmen mit der nationalsozialistischen Stadtführung am 10. November 1938 die Synagoge in Brand. Schrader-Bewermeier hob die Bedeutung des jährlichen Gedenkens am Mahnmal, das unweit des damaligen Standorts der Paderborner Synagoge, vom dänischen Künstler Per Kirkeby errichtet wurde, hervor. „Dass wir hier zusammenkommen, ist kein pauschales Ritual“, unterstrich sie, „denn Rituale haben den Wert, den wir ihnen geben“.
Den musikalischen Rahmen gestalteten Dieter Nowak an der Djembe und Timo Usakof an der Klarinette. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand das Verlesen der Namen der ermordeten Paderborner Jüdinnen und Juden, was in diesem Jahr Schüler und Schülerinnen aus der Höheren Handelsschule und dem beruflichen Gymnasium am Berufskolleg Schloß Neuhaus übernahmen.

„Mahnend stehen wir an diesem Ort in der Nähe der alten Synagoge, der für einen düsteren und zutiefst bedrückenden Teil der Geschichte unseres Landes und auch unserer Stadt steht“, sagte Bürgermeister Michael Dreier, der im Namen der Stadt Paderborn einen Kranz niederlegen ließ. Er unterstich, dass die mit dem Mahnmal verbundene Geschichte nicht in Vergessenheit geraten dürfe. Dreier erinnerte an die „unfassbaren persönlichen Schicksale der jüdischen Paderborner Bürgerinnen und Bürger, die Opfer des Naziterrors geworden sind“. Er dankte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Gedenkveranstaltung für ihr Kommen und bezeichnete dies als „Zeichen des Trauerns und des Mitgefühls, aber auch gegen das Vergessen und für die Versöhnung“. Besorgt berichtete er von der Steigerung antisemitischer Straftaten und richtete einen Appell an jeden Einzelnen, einen Beitrag zu leisten und sich gegen Antisemitismus und Diskriminierung einzusetzen. „Wir in Paderborn können stolz darauf sein, dass hier Menschen aus 140 Nationen friedlich zusammenleben“, so Dreier. „Wir sind alle aufgerufen und stehen in der Verantwortung dafür Sorge zu tragen, dass Hass und Rechtsextremismus in unserem Alltag keinen Raum finden“.

Die Gedenkansprache hielt Ralf Lange-Sonntag, Pfarrer im Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche von Westfalen und Beauftragter für den jüdisch-christlichen Dialog. „Wir denken heute an die brennenden Synagogen, aber auch an die Jüdinnen und Juden, die dabei nur zuschauen konnten. Wir gedenken ihnen, um ihre Würde zu bewahren, die ihnen die Nazis nehmen wollten,“ so Lange-Sonntag. Er betonte, wie wichtig es sei, neben der Erinnerung an die Vergangenheit auch eine Analyse der Gegenwart zu betreiben und sich vor Augen zu führen, dass Antisemitismus noch immer ein aktuelles und globales Thema sei. Auch Lange-Sonntag rief dazu auf, Widerspruch zu leisten und unterstrich, dass im Kampf gegen Antisemitismus „ein langer Weg“ vor uns liege.
Im Anschluss an die Veranstaltung wurden Kerzen vor dem Mahnmal angezündet, bevor die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Stille auseinander gingen.