Neue Ausstellung in der Städtischen Galerie
Figurative Fülle und malerische Sachlichkeit
Ein flirrend glänzender Scherbenteppich und zerschlagene, kitschige Porzellanfigürchen treffen in der neuen Ausstellung in der Städtischen Galerie in der Reithalle auf die „Dame mit gelüpftem Rock“ oder die „ruinierte Abendhimmelbetrachtung“, eine farbintensive Malerei, die sich nicht auf das rechteckige Bildfeld beschränkt. Die keramische Skulptur von Beate Höing und die Malerei von Franziska Reinbothe bilden in der Ausstellung ein gegensätzliches, spannungsreiches Miteinander.
„Die Künstlerinnen kannten sich vorher nicht. Erst meine Einladung nach Paderborn hat sie zusammengebracht“, denkt die Kuratorin der Ausstellung, Dr. Andrea Brockmann, an ihre Idee, Gegensätzliches zu kombinieren. „Nicht Gemeinsamkeiten sind Thema der Ausstellung, sondern die Konfrontation von unterschiedlichen Arbeitsweisen, die festgezurrte Schemata aufbricht und neue Möglichkeiten schafft“. In der Reduktion auf wesentliche Arbeiten ergeben sich besondere Blickbeziehungen zwischen den ausgestellten Werken.
Die Künstlerin Beate Höing, 1968 geboren und ausgebildet an der Freien Kunstakademie Rhein-Ruhr in Essen, fertigt keramische Skulpturen. Ihre frei modellierten Kompositionen kombiniert sie mit Fundstücken aus Porzellan, seriell produzierte Massenartikel, die sie aus den ursprünglichen Figurengruppen löst, abschlägt und collagenhaft neu zusammenfügt. So entstehen Stelen, Scherbenteppiche, Figurenarrangements. Gegenstände wie aus einer Wunderkammer bilden einen ästhetischen Zusammenhang, der das vermeintlich Kitschige, Niedliche, Naive in seiner figurativen Fülle und Üppigkeit mit fantastischen Wesen oder einfachen abstrakten Formen verbindet. Beate Höing lebt und arbeitet in Coesfeld bei Münster.
Franziska Reinbothe, 1980 geboren und ausgebildet an der Hochschule für Buchkunst und Grafik in Leipzig, verhandelt malerische Themen mit Fragen nach Monochromie, Transparenz oder auch Materialität. Sie nutzt für ihre Malerei klassisch Öl- oder Acrylfarbe, aber auch Farbteig und Stoff wie Satin oder Chiffon. Traditionsrichtungen wie Konstruktivismus, Minimal und Concept Art sind in ihrem Werk zu erkennen, aber sie führt eine ganz eigene Art der Auseinandersetzung mit dem Tafelbild. Nach dem Malprozess entwickelt sich das Bild weiter. Mit einer Umformung entstehen Bildkörper, die in den Raum ragen. Andere haben sich vollkommen von der Wand gelöst. Leinwände werden gerafft oder gefaltet, durchschnitten und partiell neu vernäht. Keilrahmen legt sie frei, durchbricht oder zersägt die Leisten in einer impulsiven Geste. Das Davor und Dahinter wird zum Thema. Franziska Reinbothe lebt und arbeitet in Leipzig und Berlin.
„Bereits im November 2020 hatten die Künstlerinnen gemeinsam eine Ausstellung in der Städtischen Galerie in der Reithalle aufgebaut. Aufgrund der Corona-bedingten Maßnahmen mit der Schließung der Museen konnte die Ausstellung nicht geöffnet werden und wurde ungesehen abgebaut. Das hat mich sehr erschüttert und mich veranlasst, die Künstlerinnen nochmals nach Paderborn einzuladen“, so Dr. Brockmann. Nun kommt es zu einer Neuauflage der Ausstellung.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Verlag Kettler mit Ansichten der Ausstellungen 2020 und 2022 sowie weiteren Informationen zu den Künstlerinnen. Dieser liegt im Museumsshop aus oder kann bestellt werden: ISBN 978-3-98741-025-3
Die Eröffnung findet am Sonntag, 23. Oktober um 16:00 Uhr im Audienzsaal von Schloss Neuhaus statt. Beide Künstlerinnen sind anwesend. Ein geführter Rundgang durch die Ausstellung mit der Kunsthistorikerin Tanja Keck folgt am Donnerstag, 27. Oktober, um 16:00 Uhr.
Ein neues Angebot bilden die kunstpraktischen Studien 50 +, die ausgehend von der Ausstellung dazu einladen, die eigene Malerei weiter zu entwickeln. Der Kurs beginnt bereits am 20. Oktober. Treffpunkt ist um 17 Uhr am Eingang zur Städtischen Galerie in der Reithalle. Anschließend wird im Atelier des Marstallgebäudes unter der Leitung der Künstlerin und Kulturpädagogin Christina Strunz weitergearbeitet. Es sind acht Abende geplant, jeweils von 17 bis 19 Uhr. Material wird gestellt. Der Unkostenbeitrag pro Abend in Höhe von zehn Euro kann an der Museumskasse entrichtet werden. Es ist eine Anmeldung erforderlich. Weitere Informationen und Anmeldung: Susanne Kirchner, 05251 88 12079, susanne.kirchnerpaderbornde
Die Ausstellung „Erweiterung der Möglichkeiten“ endet am 29. Januar 2023 und ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Am 24., 25. und 31. Dezember sind die städtischen Museen und Galerien geschlossen.
Eintritt: 2,50 €/2 Euro ermäßigt. Seit dem 1. Oktober haben Studierende der Universität Paderborn mit dem Kulturticket freien Eintritt.