Der Paderborner Walking Bus wird volljährig
Die Stadt Paderborn sorgt für einen bewegten Schulweg
Der Schulweg wird in den Kommunen, insbesondere wenn es um jüngere Kinder geht, immer wieder diskutiert. Dabei stehen häufig Themen wie Sicherheit und Bequemlichkeit im Vordergrund. Gesundheitsaspekte werden bei der Gestaltung von Schulwegen eher vernachlässigt, sollten aber eine viel größere Rolle spielen. Dies wird in Zeiten von Bewegungsmangel bei Kindern und Jugendlichen immer deutlicher.
Die „innovative Maßnahme zur Bewegungsförderung im Alltag“ wurde vor genau 18 Jahren von Prof. Dr. Wolf-Dietrich Brettschneider und Prof. Dr. Miriam Kehne von der Universität Paderborn in enger Kooperation mit der Kreispolizeibehörde Paderborn, der AOK Westfalen-Lippe und der Sparkassenstiftung Paderborn ins Leben gerufen und ist seitdem zu einem viel kopierten Erfolgsmodell geworden.
Im Kern geht es darum, dass sich Schülerinnen und Schüler aus schulnahen Nachbarschaften an „Walking Bus-Haltestellen“ treffen und in Begleitung von Erwachsenen gemeinsam zur Schule gehen. Dieser Schulweg gibt Sicherheit und fördert gleichzeitig die Bewegung der Kinder. Der mittlerweile emeritierte Sportwissenschaftler Prof. Dr. Wolf-Dietrich Brettschneider hat den Walking Bus seinerzeit in Paderborn ins Rollen gebracht – eine deutschlandweite Premiere. Seine damalige Mitarbeiterin Prof. Dr. Miriam Kehne – sie leitet heute die Arbeitsgruppe Kindheits- und Jugendforschung im Sport an der Universität Paderborn – hat das Projekt kurz nach dem Start evaluiert und die positiven Aspekte im Rahmen der kindlichen Gesundheitsförderung durch Bewegung herausgestellt.
Dementsprechend groß ist bei ihr die Freude, dass der Walking Bus nach wie vor in der Erfolgsspur fährt und aktuell eine Renaissance erlebt. „Kinder, die regelmäßig einen aktiven Schulweg haben, weisen ein höheres Aktivitätsniveau auf. Bewegungsmangel bei Kindern und Jugendlichen ist in Deutschland ein aktuelles Thema“, erläutert Kehne. Ihre Mitarbeiterin Dr. Nicole Satzinger macht deutlich, dass „durch den zu Fuß zurückgelegten Schulweg die Bewegungszeit und die körperliche Aktivität erhöht, die Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit positiv beeinflusst sowie die Verkehrserziehung, die Erhöhung der Sicherheit, die Stärkung des Sozialverhaltens und der Umweltschutz positiv unterstützt werden“.
Die Stadt Paderborn hat sich zum Start des neuen Schuljahres auf den Weg gemacht, das erfolgreiche Projekt wieder verstärkt in den Schulalltag zu integrieren. Dazu wurde im Schulverwaltungs- und Sportamt der Stadt Paderborn eine hauptamtliche Koordinierungsstelle eingerichtet. „Der Walking Bus bietet eine Reihe von Vorteilen, insbesondere im Hinblick auf die Förderung eines aktiven Lebensstils und der Verkehrssicherheit“, erklärt Sabine Ewers, die die Koordinierungsstelle leitet. Auch der stellvertretende Bürgermeister Dieter Honervogt ist begeistert vom Engagement der Stadt Paderborn und unterstützt das Ziel, Kinder aktiv und bewegt zur Schule zu bringen, und die Kooperation zwischen Stadt und Universität. Das von Prof. Dr. Miriam Kehne geleitete besslab, Bewegungs-, Spiel- und Sportlabor der Universität Paderborn, unterstützt die Weitergabe der bereits gesammelten Erfahrungen und die nachhaltige Umsetzung sowie den Transfer in die Praxis.
An der Karlschule soll der Walking Bus wiederbelebt werden. Ina Strauß, Sarah Ebbers, Julia Engels, engagierte Eltern, setzen sich dafür ein, dass wieder mehr Kinder zu Fuß zur Schule kommen und suchen Eltern, die das Projekt unterstützen. Die Stadt ist von dem Engagement der Eltern begeistert und versucht gemeinsam mit den Eltern die beiden Walking Bus Routen der Karlschule, die in den letzten Jahren eingeschlafen sind, wieder zu aktivieren. Neben den vielen gesundheitsfördernden Aspekten punktet auch der soziale Aspekt. Der gemeinsame aktive Schulweg fördert das Sozialverhalten und das Gemeinschaftsgefühl der Kinder. „Ich freue mich schon, mit meinen Freunden zur Schule zu gehen“, sagt Hermine, die in wenigen Tagen eingeschult wird. Die Eltern der Karlschule sind sich einig, dass sie durch den Walking Bus zusätzlich entlastet, werden: „Ich muss mich nur an einem Tag um den Schulweg der Kinder kümmern statt an fünf Tagen und weiß, dass mein Kind sicher zur Schule gelangt", so Sarah Ebbers.
Prof. Dr. Miriam Kehne zu den Vorteilen des Walking Bus-Konzeptes:
„Es gibt Hinweise darauf, dass der Schulweg zu Fuß die Konzentrationsleistung von Grundschülerinnen und -schülern über den gesamten Schulvormittag nachhaltig steigern kann. Der Walking Bus bietet eine hervorragende Möglichkeit, Kindern Kenntnisse und Fertigkeiten im Bereich der Verkehrssicherheit zu vermitteln. In Begleitung von Erziehungsberechtigten lernen sie das richtige Verhalten im Straßenverkehr und können so auf die weiterführenden Schulen vorbereitet werden. Der Walking Bus fördert die Entwicklung von Verhaltensmustern, die das Risiko von Verkehrsunfällen verringern und das Sicherheitsbewusstsein der Kinder schärfen. Das Linien- und Haltestellenprinzip des Walking Busses sorgt zudem für klare Routen und Strukturen, die den Kindern Sicherheit geben. Darüber hinaus fördert der Walking Bus die Entwicklung verkehrserzieherischer Kompetenzen, die den Schülerinnen und Schülern helfen, sich sicher und verantwortungsbewusst im Straßenverkehr zu bewegen.
Der Walking Bus fördert das soziale Verhalten der Schülerinnen und Schüler. Während des gemeinsamen Gehens haben sie die Möglichkeit, miteinander in Kontakt zu treten, Gespräche zu führen und Freundschaften zu schließen. Das stärkt den Gemeinschaftssinn und fördert ein positives soziales Klima in der Schulgemeinschaft.
Weiterhin trägt das Projekt zum Umweltschutz bei, indem es das Verkehrsaufkommen reduziert. Durch weniger Fahrzeuge auf den Straßen vor den Schulen wird nicht nur die Luftqualität verbessert, sondern es werden auch Emissionen und Lärm reduziert. Dies wirkt sich positiv auf die Umwelt und das allgemeine Wohlbefinden in der Gemeinde aus.“