Panta Rhei. Wasser bewegt

Ein besonderes Gemeinschaftsprojekt der fünf städtischen Museen zur Erscheinungsvielfalt des Wassers

© Stadt PaderbornGruppenfoto
© Stadt PaderbornClaudia Schmacke
© Stadt PaderbornWasser Eimer Welten

Die fünf Museen der Stadt Paderborn haben gemeinsam das Projekt „Panta Rhei. Wasser bewegt“ erarbeitet und präsentieren zeitgleich Ausstellungen, die unterschiedliche Aspekte und die Erscheinungsvielfalt des Lebensstoffes Wasser aufgreifen. Nach über einjähriger Vorbereitungszeit steht das herausragende Großprojekt kurz vor der Eröffnung. Zurzeit wird am Aufbau der Ausstellungen gearbeitet und das Team der städtischen Museen gibt einen Einblick in die aufwendigen und außergewöhnlichen Planungen.

Die ersten Werke sind installiert, Blicke hinter die Kulissen machen neugierig. Die Ausstellungen werden am 26. August 2023 zentral eröffnet und sind bis zum 21. Januar 2024 im Stadtmuseum, Residenzmuseum, Naturkundemuseum, Kunstmuseum und in der Städtischen Galerie in der Reithalle zu sehen.

Im Stadtmuseum zeigt die Ausstellung „wood, waves and energy“ großformatige Fotografie- und Videoarbeiten von Jörg Gläscher aus der Reihe „the diary complex“, welche er während der Corona Pandemie begonnen hat. Im Rahmen dieser Reihe fing Gläscher an selbst in die Natur einzugreifen und aus Astwerk aufsteigende und brechende Wellen zu bauen. Während seine Wellen zunächst nur in Wäldern gefunden werden konnten, wird ab dem 26. August eine mehrere Meter hohe Welle aus Astwerk des Haxtergrunds im Klostergarten des Stadtmuseums zu sehen sein. Markus Runte, der das Projekt für das Stadtmuseum hauptverantwortlich betreut hat, erzählt begeistert: „In einer zweitägigen, tatkräftigen Sammelaktion mit der Unterstützung von Freiwilligen und Kolleg*innen der städtischen Museen und Galerien wurde das Material für die Welle zusammengetragen. Es war für alle eine besondere Erfahrung, so eng mit dem Künstler zusammenzuarbeiten.“

Des Weiteren wird im Stadtmuseum die multimediale Installation zur Wasserkultur entlang der Pader „Leben an den Quellen“ gezeigt. Entstanden ist das Projekt in Kooperation mit dem Institut für Medienwissenschaften an der Universität Paderborn, wo der Filmemacher Rouven Rech (Berlin) mit den Studierenden das Thema „Leben an den Quellen“ im Seminar behandelte. Dr. Andreas Neuwöhner, Initiator des Projekts, erklärt: „Die Aufgabe für die Studierenden bestand darin, selbständig eine filmische Installation zum Thema Pader zu erstellen. Die Studierenden haben sich in Gruppen zusammengetan und die Ergebnisse sind in vier innovativen Installationen im Stadtmuseum zu erleben.“

Im Residenzmuseum wird in der Ausstellung „Wasser ist Menschenrecht!“ ein internationaler Blick auf das Thema Wasser als Menschenrecht geworfen. Im Zentrum stehen Pressefotografien aus dem DPA-Pressearchiv. Sie verweisen zum einen auf die Problematik der Wasserarmut und des freien Zugangs zu Trinkwasser. Zum anderen aber auch auf Projekte, die sich für eine freie und sichere Wasserversorgung einsetzen. Der Bezug zu Paderborn wird durch historische Fotografien und Informationsmaterial zur aktuellen Wasserversorgung hergestellt.

Das Naturkundemuseum präsentiert die Senckenberg-Wanderausstellung „Grundwasser lebt!“, in der das Thema Grundwasser in drei Etappen behandelt wird. Wie sich Grundwasser bildet und Teil des Wasserkreislaufes der Erde ist, zeigt sich in „Zeit und Raum“. Welche Organismen und Tiere im Wasser unter unseren Füßen leben und wie wichtig sie sind, wird in „Lebensraum Grundwasser“ deutlich. Zuletzt wird uns in „Mensch und Grundwasser“ die Relevanz des Grundwassers als Ressource aber auch unser Umgang mit dieser vor Augen geführt. In einer virtuellen U-Bootfahrt können Besucher*innen selbst in die Welt des Grundwassers abtauchen. „Wir haben die Ausstellung mit einem Blick in das Paderborner Grundwasser erweitert, sodass es auch den Bezug zum Ort gibt. Außerdem kann man an vielen multimedialen Stationen mitmachen und es gibt einen spannenden Escape-Raum“, macht Dr. Felicitas Demann vom Naturkundemuseum neugierig. Der Aufbau dieser aufwändigen Ausstellung beginnt in der kommenden Woche.

Im Kunstmuseum ist die raumbezogene Installation „coil“ von Claudia Schmacke wie auch das partizipative Ausstellungsprojekt „Wasser Eimer Welten“ zu sehen. In der Installation „coil“ sind es Pumpen, die das Wasser in Bewegung versetzen und den Raum zu einem Energie- und Kraftfeld machen. Begleitet von dem mechanischen Klang der Pumpen fließt das Wasser durch durchsichtige Schläuche, die sich wie eine Art Spule um die Säulen des Marstalls winden.

In dem Ausstellungsprojekt „Wasser Eimer Welten“ hängen einfache Zinkeimer von der Decke und sind Vitrinen für über 30 kleine Welten, die von regionalen Organisationen und Vereinen gestaltet wurden. Nach einem Aufruf und verschiedenen Vorbereitungstreffen bindet dieses Mitmach-Projekt die Menschen aktiv in die Wasserkultur ein. Jeder Blick in einen Eimer lädt zu einer neuen Auseinandersetzung mit dem Thema Wasser ein.

Die Ausstellung „Zirkulation. Wasser als Motiv, Metapher und Material in der Kunst“, in der Städtischen Galerie in der Reithalle, zeigt die Werke von neun Künstler*innen, die sich auf verschiedensten Weisen dem Thema Wasser nähern. „Die Ausstellung präsentiert nicht die traditionellen Seestücke, sondern ich will Bezüge, überraschende Annäherungen, Gefühle, neue Gedanken freisetzen. Meer, Salz, Fluss, Eis, Dunst, Wolken, Transportmedium, Wasser kann so vieles sein,“ erklärt Dr. Andrea Brockmann, Leiterin der Abteilung der städtischen Museen, ihr Konzept. Der Aufbau der Ausstellung beginnt am 15. August. Die Kuratorin beschreibt vorab die Ausstellung: Während Mario Reis die Flüsse Pader, Alme und Lippe seine Aquarelle malen lässt, nutzt Markus Wirthmann das Verdunsten von Wasser, um Salzkristalle auf seinen Leinwänden wachsen zu lassen. Bei Annette Zumkley und Torsten Ueschner wird Wasser zu einer Bewegung in satter Farbe. In der Malerei von Franz Baumgartner fungiert das Wasser als Spiegel seiner Umgebung, ebenso wie in der Fotografie von Benedikt Partenheimer. Wie auch in den Werken von Partenheimer greift die Performance „Pars pro toto“ von Nezaket Ekici das Thema Klimawandel auf. Auch die zwei großen, mit Heu beladenen Rettungsboote aus der Installation „rette sich wer kann“ von Christiane Möbus haben sehr aktuelle politische Bezüge. Den zeitgenössischen Werken stehen ausgewählte Gemälde des Paderborner Künstlers Willy Lucas gegenüber.

Das umfangreiche Begleitprogramm zum Ausstellungsprojekt „Panta Rhei. Wasser bewegt“ umfasst neben Führungen durch die Ausstellungen auch Workshops, Vorträge, Lesungen, Performances, Wanderungen und Fahrradtouren ebenso wie ein buntes Mitmach-Programm für die jüngeren Besucher*innen. Alle Veranstaltungen und Informationen zu den Ausstellungen sind in dem 24-seitigem Programmheft, das in den städtischen Museen und Galerien sowie in der Tourist Information ausliegt, zu finden.

Die Veranstaltungen starten am 25. August um 16 Uhr mit einer Preview zu den Ausstellungen „wood, waves and energy“ und „Leben an den Quellen“ im Stadtmuseum. Den musikalischen Auftakt zur zentralen Eröffnung am 26. August um 16 Uhr im Audienzsaal des Residenzmuseums Schloß Neuhaus bilden Axel Schweppe und Nathalia Grotenhuis mit Klangskulpturen und Schlagwerk in ihrem Konzert „Vom Klang des Wassers“. Die Begrüßung erfolgt durch die stellvertretende Bürgermeisterin Paderborns, Sabine Kramm, und leitet die von der Journalistin Chadia Hamdé moderierten Gesprächsrunden mit den Künstler-, Kurator- und Leihgeber*innen ein. Die Eröffnung geht über in die Museumsnacht, in der die Ausstellungen erstmals zu besuchen sind.