Frauen mit Fluchtgeschichte: Große Herausforderungen – Vielfältige Chancen – K …

Frauen mit Fluchtgeschichte: Große Herausforderungen – Vielfältige Chancen – Konkrete Möglichkeiten

© Stadt PaderbornFrauen mit Fluchtgeschichte

Ausstellung in der Stadtbibliothek

Seit vielen Jahren besteht zwischen der Koordinierungsstelle für Flüchtlingsangelegenheiten, dem Fachdienst MiCado (Caritas) und der Katholischen Hochschule Paderborn (Katho) eine intensive Kooperation. Jährliche Veranstaltungen wie der Willkommenstag im historischen Rathaus finden im Schulterschluss mit der Caritas statt. Auch das jährliche „Radeln für Frieden“ mit der Integrationsagentur des Fachdienstes Micado hat bereits an Tradition gewonnen. Gemeinsam mit der Katho Paderborn bestreitet die Koordinierungsstelle für Flüchtlingsangelegenheiten der Stadt Paderborn (KOST) dieses Jahr wieder die „Expedition Wissenschaft“ zum Thema Sprache.

„(Warum) benötigen geflüchtete Frauen intensivere Unterstützung als andere Personengruppen? (Und wenn ja, welche?)“ - dieser Fragestellung gingen Daria Gans, Studierende im Bachelorstudiengang Soziale Arbeit Praxis Plus an der Katho Paderborn, und Dr. Verena Kopp, Leiterin der Koordinierungsstelle für Flüchtlingsangelegenheiten der Stadt Paderborn, in einer aktivierenden Befragung nach. Die Ergebnisse, präsentiert unter dem Titel „Frauen mit Fluchtgeschichte: Große Herausforderungen – Vielfältige Chancen – Konkrete Möglichkeiten“, sind nun in der Stadtbibliothek Paderborn zu sehen. Ziel des Projekts ist es, die Erlebnisrealität von Frauen im Stadtgebiet Paderborn zu erhalten, sowohl Akteure und Betroffene einzubeziehen und ein umfassendes Meinungsbild des Betroffenen- und Helfenden-Netzwerkes aus vielen verschiedenen Perspektiven und Professionen heraus zu ermitteln. Ein weiterer Fokus liegt auf der Darstellung der Bedarfe anlässlich des Projektes.

„Diese Ausstellung wurde seit ihrer Eröffnung am 8. August von mehreren 1.000 Besuchenden der Stadtbibliothek wahrgenommen; sei es, weil sie diese explizit besucht haben oder weil sie als Besuchende der Stadtbibliothek diese gestreift haben und Impressionen aufnehmen konnten. Interessierte haben noch bis zum 23. September Zeit zu den regulären Öffnungszeiten der Bibliothek die Ausstellung zu besuchen“, erklären Daria Gans und Dr. Verena Kopp.

Das Statement des Dekans der Katholischen Hochschule am Standort Paderborn ist deutlich: „Als Mediziner lehre ich an der Katholischen Hochschule am Standort Paderborn seit 26 Jahren Sozialmedizin und Psychopathologie. Zudem bekleide ich das Amt des Dekans. Unsere Hochschule ist sehr aktiv in den Bereichen Forschung, Förderung und Lehre im Kontext der Fluchtmigration tätig. Wir halten beispielsweise spezielle Förderprogramme für Studierende mit Fluchterfahrung vor. Aus Sicht des Sozialmediziners sehe ich geflüchtete Frauen als heterogene und sehr vulnerable Gruppe, die in ihrem Heimatland und/oder auf der Flucht ein erhöhtes Risiko aufweist, geschlechtsspezifischer physischer und psychischer Gewalt ausgesetzt zu sein. Aufgrund kultureller Hierarchiestrukturen in Heimatländern erachten Frauen mit Fluchtgeschichte es fataler Weise teilweise als gegeben, mit dieser Gewalt zu leben. Hier müssen Empowerment-Strukturen in der neuen Heimat Paderborn greifen: Es gilt, diese Gruppe entsprechend zu informieren; über Gleichberechtigungsstrukturen in unserer Demokratie und insbesondere darüber, welche Hilfesysteme, Beratungsstellen und Institutionen die Frauen für sich erschließen können", unterstreicht Prof. Dr. Dr. Martin Hörning.

Anlass der Ausstellung war die Ratifizierung der Istanbul Konvention. Das Thema Flucht und Frauen soll von der Öffentlichkeit in seiner Vielschichtigkeit den Bürgern Paderborns zugänglich gemacht werden.

„Frauen mit Fluchterfahrung sind aus einer Vielzahl von Gründen heraus eine besonders vulnerable Gruppe", sagt Martin Strätling, Leiter des Migrationsfachdienstes MiCado. „Auf unterschiedlichen Ebenen benötigen sie eine Vielzahl von Unterstützungen. Schutz vor häuslicher Gewalt, die Orientierung als z.B. alleinerziehende Mutter, psychosoziale Hilfestellungen sind nur einige der Leistungen, die wir für geflüchtete Frauen erbringen. Dabei spielt ein empowermentorientierter Ansatz eine wichtige Rolle, die Frauen lernen von den Erfahrungen anderer Frauen mit Fluchterfahrung. Dies Konzept setzen wir in unserer quartiersbezogenen Empowermentarbeit gemeinsam mit den Frauen um. Wesentlich ist auch, den Frauen Raum zu geben, um ihre Rechte, wie das Recht auf ein gewaltfreies und selbstbestimmtes Leben, zu kennen und sich zu trauen, dies einzufordern. Dies bedeutet auch für Frauen, tradierte gesellschaftliche Normen der Herkunftskultur kritisch hinterfragen und sich davon lösen zu können. Hierfür braucht es Zeit und intensive Betreuung und Beratung."

Die Ausstellung ist geöffnet in der Zeit von dienstags bis freitags von 10.30 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 15 Uhr.