Fotografien aus Przemyśl und Lemberg
Im Kunstmuseum im Marstall ist eine neue Ausstellung zu sehen
30 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Paderborn und Przemyśl in Polen: Dieses Ereignis nimmt Dr. Andrea Brockmann, Leiterin der städtischen Museen und Galerien zum Anlass, eine beeindruckende Ausstellung für das Kunstmuseum im Marstall zu konzipieren. Unter dem Titel „Kunst aus Przemyśl: Polnisch-ukrainische Begegnungen“ sind vom 5. Mai bis 16. Juli die Werke von je drei Künstler*innen aus Przemyśl sowie aus der nahe gelegenen Stadt Lemberg in der Ukraine zu sehen.
„Mit Blick auf die aktuelle politische Lage und aufgrund der Nähe der Partnerstadt zur Ukraine, auch als Zeichen der Solidarität, haben wir nicht nur polnische, sondern auch ukrainische Künstler*innen eingeladen“, sagt Andrea Brockmann.
Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine spielt, anders als vielleicht zu vermuten wäre, in der facettenreichen Ausstellung kaum eine Rolle. „Der Krieg klingt an, steht aber nicht im Fokus“, sagt Wolfgang Brenner, Kurator der Ausstellung. Und Tanja Keck, Volontärin der Städtischen Museen und Galerien, macht deutlich: „Manchmal muss die Kunst als Kunst, unabhängig von der aktuellen politischen Lage, einfach stehen gelassen werden.“
Zu sehen sind im Kunstmuseum Werke von Adriana Dovga, Roman Herynovych, Beata Jędruch, Oleg Ogorodnyk, Jacek Szwic und Stanisława Zacharko-Łagowska. Die Künstler*innen widmen sich unter anderem der Portrait-, Landschafts- und experimentellen Fotografie. „Das hier ist eine ganz besondere Ausstellung“, sagt Paderborns stellvertretende Bürgermeisterin Sabine Kramm, nachdem sie sich einen ersten Eindruck verschafft hat.
Adriana Dovga spielt mit Licht und Schatten und arbeitet ausschließlich digital im Stil der Dokumentar- und Straßenfotografie. „Ich halte gerne Momente fest, beobachte meditativ die Straßen, konzentriere mich auf die alltäglichen Lebenszeiten, auf die nicht offensichtliche Schönheit“, sagt die Dozentin aus Lemberg, die unter anderem Mitglied der „National Union of Photografic Artists of Ukraine“ ist.
Roman Herynovych, internationaler Fotograf der Fédération Internationale de l’Art Photographique der UNESCO, möchte durch seine Kunst Gefühle wie Einsamkeit und Träumerei transportieren, welche er durch atmosphärische Schwarz-Weiß-Fotografie umzusetzen sucht.
Der Dialog zwischen Künstlerin und Modell reizt Beata Jędruch, Mitglied der Vereinigung Polnischer Kunstfotografien. Jędruch zeigt Portraits, in denen unterschiedliche Menschen sich vor ihrer Kamera offen zeigen.
Die Vergänglichkeit des Lebens thematisiert Oleg Ogorodnyk in seinen Arbeiten, unter anderem durch im Frost erstarrte Pflanzen. Er beschäftigt sich seit 1976 mit künstlerischer und seit 2010 mit alternativer Fotografie, besonders in den Techniken des Albumindrucks und der Cyanotypie.
Jacek Szwic, seit 2016 Kurator der Fotogalerie des Historischen Museums von Przemyśl, setzt auf Farbe und von jeher auf den Menschen als Motiv seiner Reportage- und Straßenfotografie.
Stanisława Zacharko-Łagowska ist Kunsthistorikerin, Kunstkritikerin und Fotografin. Ihre Kunstwerke sehen oft abstrakt aus, entspringen aber der Realität. „Ich nenne meine Fotografien Gemälde, obwohl ich sie weder male noch zeichne. Ich suche sie, finde sie und fotografiere sie: Sie gehören mir, denn ich bin, was ich sehe“, sagt die Künstlerin.
Das Kunstmuseum ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Öffentliche Führungen finden am 21. Mai sowie am 28. Mai um jeweils 14 Uhr statt. Weitere Informationen gibt es unter Tel. (0 52 51 88-127924) oder online unter www.paderborn.de/kunstmuseum.