„Wir stehen fest an der Seite unserer jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger“

Gedenken und Erinnern an die Opfer der Reichspogromnacht 1938

© Stadt PaderbornGedenkfeier
© Stadt PaderbornKranzniederlegung

Anlässlich des 85. Jahrestages der Reichspogromnacht wurde am Donnerstag, 9. November, der geflohenen und ermordeten Paderborner Jüdinnen und Juden gedacht. Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit hatte zusammen mit der Stadt Paderborn zu einer Gedenkfeier am Mahnmal An der Alten Synagoge eingeladen. Durch eine Projektion und VR-Brillen konnte die Paderborner Synagoge vor der Zerstörung 1938 virtuell erlebt werden.
Zu Beginn der Gedenkfeier erinnerte Monika Schrader-Bewermeier, Geschäftsführende und katholische Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, an die Novemberpogrome von 1938, bei denen auch die Synagoge in Paderborn zerstört wurde. An ihrem damaligen Standort, an dem heute das Mahnmal des 2018 verstorbenen Künstlers Per Kirkeby steht, findet das jährliche Gedenken an die Ereignisse statt.
Bürgermeister Michael Dreier zeigte sich tief betroffenen angesichts der Terrorakte im Nahen Osten und gab ein klares Statement gegen Gewalt und jede Form von Antisemitismus ab: „Antisemitische Taten und Worte sind Angriffe auf unsere ganze Gesellschaft“, so Dreier. Er appellierte an alle, sich für Solidarität und eine von Offenheit geprägte Kultur einzusetzen: „Wir Paderbornerinnen und Paderborner stehen füreinander ein und stehen fest an der Seite unserer jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger.“
Die Gedenkansprache hielt in diesem Jahr Prof. Dr. Angelika Strotmann, Vorstandsmitglied der GCJZ Paderborn. Sie fragte danach, was zu einer guten Erinnerungskultur gehört und was getan werden könne, damit sich die Vergangenheit nicht wiederholt. So solle unter anderem solidarisch und mitfühlend gehandelt sowie Vorurteile hinterfragt werden.
Gemeinsam wurde gebetet und ein Kranz am Mahnmal niedergelegt, nachdem Schülerinnen und Schüler des Edith-Stein-Berufskollegs die Namen der ermordeten Paderborner Jüdinnen und Juden vorlasen. Musikalisch gestaltet wurde die Veranstaltung von Dieter Nowak (Djembe) und Timo Isakof (Klarinette).
Im Anschluss an die Gedenkfeier wurde die Projektion der durch die TU Darmstadt virtuell rekonstruierten Paderborner Synagoge von 1882 gezeigt. Paderborn ist eine von 20 Städten in Deutschland, in denen der World Jewish Congress zusammen mit dem Zentralrat der Juden zerstörte Synagogen virtuell rekonstruiert. Zusätzlich wurden VR-Brillen eingesetzt, um den Betrachterinnen und Betrachtern einen Eindruck von der damaligen Synagoge zu vermitteln.