Internationaler Frauentag 2024
Was können Frauen Einsamkeit entgegensetzen?
Unter dem Titel „Frauen stärken Frauen: Einsamkeit verstehen, Gemeinschaft gestalten“ richtete die Gleichstellungsstelle der Stadt Paderborn am vorletzten Samstag die Auftaktveranstaltung zum Internationalen Frauentag 2024 aus. Im großen Sitzungssaal des historischen Rathauses stand in diesem Jahr das Thema Einsamkeit und die spezifischen Herausforderungen, mit denen Frauen konfrontiert sind und die zu Einsamkeit führen können, im Fokus. Teil der Veranstaltung, die von Julia Ures moderiert wurde, waren ein Impulsvortrag von Autorin und Aktivistin Sarah Diehl sowie eine Diskussion über das Thema Einsamkeit und mögliche Wege aus der ungewollten Isolation hin zu einem selbstbestimmten positiv besetzten Alleinsein.
Der interkulturelle Chor „KlangKult“ eröffnete die Veranstaltung mit Gesangsbeiträgen aus Finnland, Afrika und Deutschland. Bürgermeister Michael Dreier ging in seiner Begrüßung auf die Aktualität des Themas Einsamkeit ein: „Einsamkeit ist ein wichtiges gesellschaftliches Thema. In Nordrhein-Westfalen ist jede sechste Person betroffen. Besonders möchte ich daher allen Vereinen, Initiativen und Engagierten aus dem Stadtgebiet danken, von denen sich viele auch hier auf dem Markt der Möglichkeiten vorstellen. Sie alle leisten einen unschätzbaren Beitrag, damit nicht nur oberflächliche Begegnungen stattfinden, sondern wertschätzende Kontakte geknüpft werden.“
Auch Dagmar Drüke, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Paderborn, hieß alle Gäste herzlich willkommen. „Einsamkeit hat nicht nur Auswirkungen auf die individuelle Gesundheit, sondern auch auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Strukturelle Ungleichheiten, traditionelle Geschlechterrollen und gesellschaftliche Erwartungen können dazu beitragen, dass Frauen in verschiedenen Lebensphasen einem erhöhten Risiko für soziale Isolation ausgesetzt sind“, begründete sie die Wahl des diesjährigen Themas. „Wir möchten uns heute mit Ihnen über Herausforderungen austauschen, mit denen Frauen konfrontiert sind und die zu Einsamkeit führen können, aber auch darüber, wie das Alleinsein positiv genutzt werden kann“, fuhr sie fort. „Der anschließende Markt der Möglichkeiten soll Austausch und Vernetzung ermöglichen“, betonte die Gleichstellungsbeauftragte.
Die Autorin und Aktivistin Sarah Diehl hielt mit dem Impulsvortrag „Die Freiheit, allein zu sein“ ein feministisches Plädoyer für das Alleinsein. In ihrem Vortrag blickte sie auf die Möglichkeiten und Fähigkeit zum Alleinsein innerhalb der Familie oder Partnerschaft, im Beruf sowie auf Reisen und in der Natur. Darüber hinaus ermutigte sie die Anwesenden dazu, das Alleinsein immer wieder bewusst zu suchen. Sarah Diehl machte deutlich, dass die Kleinfamilie und das daran gebundene Mutterideal viel zu der sozialen Isolation von Frauen in der Gesellschaft beitrage. „Singlefrauen werden gerne pathologisiert: die schräge Alte, die Hexe, die Katzen-Lady“, so Sarah Diehl.
Im Anschluss an den Vortrag diskutierten Michaela Weigel, Abteilungsleiterin der sozialen Teilhabe, und Dorothea Wahle-Beer, stellvertretende Leitung der ökumenischen Telefonseelsorge Paderborn, gemeinsam mit Sarah Diehl über die Ursachen von Einsamkeit von Frauen und Möglichkeiten, diese zu überwinden und positiv umzuwerten. Michaela Weigel machte deutlich, dass die von der Stadt angebotenen Veranstaltungen für Senior*innen ein wichtiges und sehr gut angenommenes Angebot seien, um Einsamkeit zu begegnen. Zudem sei Quartiersarbeit von großer Bedeutung sowie Angebote für besondere Personengruppen wie Frauen mit Behinderung, ältere Frauen oder Frauen mit Migrationshintergrund. Dorothea Wahle-Beer verdeutlichte, dass das Angebot der Telefonseelsorge häufig von Menschen genutzt werde, die einsam seien, auch wenn dies nicht immer der eigentliche Anlass des Anrufs sei. Auf dem Markt der Möglichkeiten konnten die Gäste sich im Anschluss an 15 Ständen von Verbänden, Institutionen, Netzwerken und Nachbarschaftsprojekten über deren Angebote austauschen und informieren.