"Mensch Dreier" - Paderborns Bürgermeister feierlich verabschiedet

Zapfenstreich und viele lobende Worte vor 400 Gästen im Schützenhof

© Stadt Paderborn11, Besim Mazhiqi, Paderborn
© Stadt Paderborn6, Besim Mazhiqi, Paderborn
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Der Lieblingssong des Bürgermeisters "Viva la Vida" von der britischen Band Coldplay im Rahmen des Zapfenstreichs des Musikzuges Schloß Neuhaus und des Spielmannszuges der Freiwilligen Feuerwehr Paderborn sowie der Schützenabordnungen aus der gesamten Stadt. Viele lobende Worte auf seine elfeinhalbjährige Dienstzeit bei der Stadt Paderborn und 400 geladene Gäste im Paderborner Schützenhof. Es war ein Abschied wie im Bilderbuch für Paderborns Bürgermeister Michael Dreier. Nur das Wetter spielte nicht mit. Deshalb musste der auf dem Schützenplatz geplante Zapfenstreich in die Messehalle am Schützenplatz verlegt werden. Aber der Reihe nach.

Nach einem stimmungsvollen Auftakt mit dem Zapfenstreich und einem großen Dankeschön des Schützenobersts des Paderborner-Bürger-Schützenvereins, Bernd Zengerling, an den scheidenden Bürgermeister sowie dem musikalischen Auftritt von GOODBEATS-Sänger Thilo Pohlschmidt fanden dann am frühen Sonntagabend Weggefährten von Michael Dreier viele lobende Worte.

Der CDU-Generalsekretär und heimische Bundestagsabgeordnete Dr. Carsten Linnemann bescheinigte Michael Dreier Leidenschaft, Augenmaß und Verantwortungsgefühl als die nach dem Soziologen Max Weber wichtigsten Qualitäten eines guten Politikers. Darüber hinaus aber auch Charisma und Charakter, der sich immer dann zeige, wenn man helfe, ohne groß darüber zu reden. Beispielhaft sei sein Einsatz für das lebensgefährlich verletzte Opfer des Tornados im Mai 2022 gewesen und auch seine Unterstützung für die Special Olympics, der Sportbewegung für geistig behinderte Menschen.

Linnemann lobte Michael Dreiers deutschlandweite Vernetzung. Zusammen mit dem Bundesminister Karsten Wildberger treibe er das Thema Staatsmodernisierung und Digitalisierung der Kommunen in Deutschland voran. Seit wenigen Monaten führe er den einschlägigen bundesweiten Ausschuss des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. In Berlin kenne und schätze man Michael Dreier, so Linnemann.

Ob "Echt. Dreier!" oder "Mensch Dreier" - Michael Dreier sei ein authentischer Bürgermeister gewesen, der immer die Nähe zu den Menschen gesucht habe, lobte Daniel Sieveke, Staatssekretär im Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes NRW. Ob Aufstiegsbürgermeister, enger Freund, Problemlöser bei Corona, Bombenentschärfungen - für Michael Dreier sei das Bürgermeisteramt das schönste Amt gewesen, was er sich habe vorstellen können. Sieveke, der die Grüße der Landesregierung übermittelte, würdigte Dreiers Kampf für die Demokratie. Das habe stets sein Handeln bestimmt.

Parallelen vom „Paderborn-Lied“ zum Handeln von Michael Dreier zog der Paderborner Landrat Christoph Rüther in seinem Grußwort. "Wenn man die Zeilen dieses Liedes hört, spürt man sofort: Es geht um Nähe, um Verwurzelung, um Verbundenheit. Und genau das kann man über Dich sagen", so Rüther zu Michael Dreier. Nicht nur, dass er Vertrauen schaffe und Menschen zusammenbringe – er hat Paderborn zum Klingen gebracht, jeden Tag, über viele Jahre, so Rüther.

"Echtheit, Menschlichkeit im Mittelpunkt – Nähe, Herzlichkeit, Offenheit. Das ist „Echt. Dreier!“ Das passe, sagte der Paderborner Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz an die Adresse von Michael Dreier. Er habe den Bürgermeister als verlässlichen Partner und guten Ratgeber erlebt, gerade auch in der ein oder anderen schwierigen Situation habe er ihm mit seiner Erfahrung in einem öffentlichen Amt sehr geholfen. Dafür sei er sehr dankbar, so der Erzbischof. Dr. Udo Markus Bentz zitierte in seinem Grußwort Paderbornerinnen und Paderborner, die er nach ihrer Meinung zum Bürgermeister gefragt hatte. Ganz besonders hätten ihn dabei die Stimmen derer berührt, die oft übersehen werden. Bedürftige aus der PaderMahlzeit hätten ihm geschrieben, der Bürgermeister Dreier habe sie gesehen, er habe sie ernst genommen. Das sei vielleicht das schönste Zeugnis für einen Bürgermeister, so der Erzbischof.

Sichtlich berührt ergriff abschließend Michael Dreier das Wort. Gleich zu Beginn seiner Rede erinnerte er sich an eine Episode bei Amtsantritt. Als ihm sein Vorgänger Heinz Paus die Amtskette überreichte, habe er bemerkt, dass sie viel leichter sei, als die Bürgermeisterkette der Stadt Salzkotten. Dort war Michael Dreier zuvor Bürgermeister gewesen. "Warte nur ab, sie kann noch schwer genug werden“ habe ihm Heinz Paus entgegnet. Das sei sie zum Glück nicht geworden. Das habe auch immer daran gelegen, dass er immer Hilfe bekommen habe bei all den Herausforderungen, so Dreier. Ebenfalls habe stets sein großes Gottvertrauen im Zentrum seines Handelns gestanden. Die Aufgabe des Bürgermeisters sei für ihn nie ein Beruf, sondern eine Berufung gewesen.

Während seiner Zeit als Bürgermeister habe es für ihn natürlich auch Momente gegeben, in denen er gedacht habe „Hoffentlich schaffen wir das.“ Die große Flüchtlingswelle 2015, die Corona-Herausforderungen und der Tornado 2022, der in Paderborn großen Schaden anrichtete, seien solche Momente gewesen. Das Positive, was er mit diesen Ereignissen verbinde, sei der unglaubliche Zusammenhalt und die überwältigende Hilfsbereitschaft, die er anschließend erlebt habe. Das erfülle ihn gleichzeitig mit Stolz und großer Demut.

Dreier erinnerte sich auch an positive Augenblicke. Sein erstes Liborifest, was er als Bürgermeister eröffnete, den Gänsehautmoment des Aufstiegs des SC Paderborn in die Bundesliga 2014 oder die große Britenparade „Freedom of the City“, die im Juni 2018 durch Stadt zog. Unvergessen seien für ihn auch die unglaublichen Chancen, die beispielsweise die Entwicklung des Zukunftsquartiers für die Stadtentwicklung biete und auch das Projekt "Digitale Stadt". Michael Dreier verschwieg nicht, dass er gerne noch den Bau des neuen Stadthauses während seiner Amtszeit abgeschlossen hätte.

"Paderborn hat sich - so denke ich sagen zu dürfen - sehr positiv weiterentwickelt und worauf ich am meisten stolz bin: Wir haben es gemeinsam geschafft, Paderborn als Heimat für die Menschen zu erhalten. Als eine liebens- und lebenswerte Stadt, die sowohl für Tradition als auch für Innovation steht", so der scheidende Bürgermeister. Er lobte das große ehrenamtliche Engagement in der Stadt. Rund die Hälfte der Paderbornerinnen und Paderborner engagiere sich ehrenamtlich. Bei den ehrenamtlichen Projekten könne man auf die Unterstützung vieler Unternehmen und Initiativen bauen.

Zum Abschluss seiner Rede dankte Michael Dreier neben vielen Initiativen, Gruppen und Vereinen aus der gesamten Stadt besonders seiner Frau Beate, der er einen Blumenstrauß überreichte, und seiner Familie für die Unterstützung. Seine Frau Beate sei sprichwörtlich alleinerziehende Mutter gewesen. Dreiers Dank ging auch an Rat und Verwaltung und an die Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunal-, Landes-, Bundes- und Europapolitik, die Regierungspräsidentin, den Landrat und die Bürgermeisterin und die Bürgermeistern der Region. "Und ich danke der gesamten Paderborner Stadtgesellschaft für das große Vertrauen, dass Sie in mich gesetzt hat", so Dreier abschließend.

Am Ende gab Michael Dreier symbolisch den Staffelstab des Bürgermeisters der Stadt Paderborn an seinen Nachfolger Stefan-Oliver Strate weiter.