„Ich wünsche mir, dass die Ausstellung dabei hilft, Vorurteile abzubauen“

Erzählcafé am 11. November lädt zum Austausch über die Ausstellung „Die Ihr Wir“ ein

© Stadt Paderborn/Joanna BeckerTauschten sich zum Thema „Arbeitsmigration“ aus: (v. l.) Dr. Andreas Neuwöhner (Kurator der Ausstellung), Nilgün Özel (Paderborner Unternehmerin und Vizepräsidentin des DRK-Landesverbands Westfalen-Lippe) sowie Recep Alpan (Vorsitzender des Integrationsrats der Stadt Paderborn).

„Nordrhein-Westfalen ist ein Land von Migranten", stellt der Historiker Christoph Nonn fest. Wie verhält es sich in einem Raum wie OWL, der abseits der großen Metropolen liegt? Dieser Frage geht das Ausstellungsprojekt „Die Ihr Wir - Zuwandern und Zusammenleben in Ostwestfalen-Lippe nach 1945“ nach, das seit dem 4. Oktober im Stadtmuseum zu sehen ist. 

Ein besonderes Thema der Ausstellung ist das Thema „Arbeitsmigration“. Am 30. Oktober jährt sich zum 65. Mal das Anwerbeabkommen zwischen der Türkei und Deutschland im Jahr 1961. Infolge dessen kamen in den 1960er Jahren fast 900.000 sogenannte Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland, viele davon blieben und gründeten hier Familien.  

Auch nach Paderborn kamen viele türkische „Gastarbeiter“ und bildeten schnell die größte Gruppe der ausländischen Arbeiter und Arbeiterinnen. So auch der Vater von Recep Alpan, Vorsitzender des Integrationsrats Paderborn. „Ich kam mit meinen zwei älteren Brüdern und meiner Mutter 1982 nach Paderborn“, erinnert sich Alpan. „Zuvor wohnten wir bereits zwei Jahre in Hildesheim, bevor mein Vater eine Anstellung in Paderborn annahm“. Alpans Vater kam aber schon 1969 nach Deutschland, um die Familie finanziell unterstützten zu können. „Meine Eltern haben für uns entschieden“, stellt Alpan fest. Die erste Zeit in Deutschland sei nicht einfach gewesen, vor allem, um in der Schule anzukommen. „Meine älteren Brüder arbeiteten nach ihrem Abgangszeugnis in der neunten Klasse in einer Fabrik, ich setzte mich durch und absolvierte nach meiner mittleren Reife eine Ausbildung bei Galeria Kaufhof.“ Auf die Zeit des Ankommens in Deutschland blickt Recep Alpan mit einem positiven Gefühl zurück. „Wir wurden herzlich aufgenommen, knüpften Kontakte und konnten unsere Lebenssituation verbessern“, betont er. 

Der Vater von Nilgün Özel, Paderborner Unternehmerin und Vizepräsidentin des DRK-Landesverbands Westfalen-Lippe, kam mit dem Wunsch nach Deutschland, dass alle seine Kinder hier studieren. „Mein Vater kam 1965 nach Marsberg, ein Jahr später kam ich mit meiner Mutter und meinen Brüdern nach“, erzählt Özel. Ihr Vater war in der Türkei leitender Angestellter in einer Glasfabrik und sah mit dem Umzug nach Deutschland eine Chance auf eine bessere Bildung für seine Kinder. Nilgün Özel selbst kam erst zum Studium 1980 von Marsberg nach Paderborn und blieb hier. „Ich wünsche mir, dass die Ausstellung dabei hilft, Vorurteile abzubauen“, blickt die Unternehmerin in die Zukunft. „Nur gemeinsam können wir eine Zukunft für das Land schaffen“, fügt sie hinzu. 

Zu diesem Thema lädt das Stadtmuseum mit Unterstützung des Integrationsrats der Stadt Paderborn am Mittwoch, 11. November, um 17 Uhr zu einem Erzählcafé ein. Hierbei können Interessierte in den Austausch kommen und die Ausstellung aus einer anderen Perspektive mit Kurator Dr. Andreas Neuwöhner entdecken. Die Veranstaltung findet im Foyer des Museums statt und ist kostenfrei.