Die Pader - Deutschlands kürzester Fluß

Die Pader entspringt in Paderborn und trägt eindeutig mit zur Namensgebung ihrer Quellstadt bei: Paderborn bedeutet Paderquelle, Paderbrunnen, Ort wo die Pader entspringt.

Einleitung

Keinesfalls mehr eindeutig ist die Herkunft und Erklärung des Flußnamens "Pader". Die Erklärungsversuche reichen von "bada" wie Wasser bis "padus" oder "papaz" wie Pfad bzw. Ort, an dem viele Pfade (Wege, Heerstraßen) zusammenliefen. Dazu kommen Zweifel, ob bei den frühen lateinischen Nennungen des Flusses nicht die beiden relativ nahe zusammenliegenden Quellen "Pader" und Lippe" verwechselt worden sind.

Es liegt auf der Hand, dass unsere von Naturerscheinungen noch stark beeindruckten Vorfahren die Paderquellen als heiligen Ort ansahen und benachbart zu siedeln begannen. Leider ist uns keine erklärende Entstehungssage überliefert worden.

Die Paderquellen gehören zu den stärksten Quellen Deutschlands. Doch trotz ihrer imponierenden Wassermenge, die in der Kernstadt Paderborns aus dem Boden quillt, verliert die Pader bereits nach 4 km in Schloß Neuhaus ihren Namen. Hier mündet sie in die in Bad Lippspringe entspringende, wesentlich wasserärmere Lippe. Die Pader gilt damit als kürzester Fluss Deutschlands.
Das Paderwasser wird ab Schloß Neuhaus mit der Lippe quer durch Nordwest-Deutschland über Lippstadt, Hamm, Lünen, Marl und Dorsten geführt, fließt dann bei Wesel in den Rhein und mündet schließlich in den Niederlanden in die Nordsee.
Die Pader ist im Laufe ihrer Geschichte wiederholt verändert und verlegt worden. Der größte Einfriff erfolgte am Ausgang des Mittelalters durch die Begradigung der bis dahin vor Schloß Neuhaus stark mäandernden Pader zur Hebung des Wasserspiegels.
Die Pader wurde, um sie auch flußaufwärts schiffbar zu machen, von einem sogenanten "Leinpfad" begleitet, einem Treidelweg, der es erlaubte, ein Schiff vom Ufer her durch Pferde- oder Menschenkraft mit Zugtauen (Treideln) gegen den Strom zu ziehen. 

Die Quellen der Pader

Die Pader entspringt im Herzen Paderborns in zwei großen Quellnischen aus über 200 Quellen. Aus ihnen strömen durchschnittlich ca. 5000 l Wasser pro Sekunde in mehreren Quellarmen dem gemeinsamen Abfluß zu.
Die Entstehung dieser Quellen findet ihre Erklärung in den besonderen geologischen Verhältnissen in der Westfälischen Bucht.
Sie ist eine große Mulde mit mehreren übereinanderliegenden, jedoch unterschiedlich wasserdurchlässigen Gesteinsschichten, die zum Muldenrand hin ansteigen. Über wasserundurchlässigem Gestein liegen wasserführende Kalksteinschichten, die nach oben hin durch den wasserstauenden Emscher-Mergel wie durch einen Deckel abgeschlossen werden. Wo - wie im Bereich der Paderborner Hochfläche südlich von Paderborn - die wasserdurchlässigen Gesteinsschichten an die Oberfläche treten, versickern die auftreffenden Niederschläge und die vorhandenen Bäche in den zahlreichen Klüften und Fugen dieses Gesteins.
Mehrere große Kluftsysteme der Hochfläche sind auf Paderborn ausgerichtet, so dass große Wassermassen herausfließen.
Die Klüfte und Hohlräume im tieferen Bereich der wasserdurchlässigen Schichten sind aber bereits mit Wasser gefüllt, so dass zusätzlich eindringendes Wasser nur an der Kalk-Mergel-Grenze den undurchlässigen Deckel in sogenanten "Überlauf- oder Barrierequellen" überwinden kann.
Diese Situation ist in Paderborn an der Geländekante zur Innenstadt gegeben - wie auch in anderen Orten entlang dieser Trennlinie, von Bad Lippspringe bis nach Essen.
Übertrifft der Wassernachschub die höchstmögliche Schüttung der an der Schichtgrenze liegenden Quellen, drückt das Wasser kurzzeitig auch aus höherliegenden Kluftöffnungen, den sogenanten Quickspringen.
Die unterirdische Fließgeschwindigkeit des Wassers in Richtung Paderborn ist mit 200-400 Meter pro Stunde sehr hoch: Je nach Einsickerungen kann es bereits nach 2-4 Tagen in den Paderquellen wieder zutage treten. Dabei ist eine ausreichende Wasserreinigung nicht möglich, abgeschwemmter Boden der Paderborner Hochfläche mit all seinen Verunreinigungen und Düngestoffen gelangt bei starken Niederschlägen dann bis in die Quellteiche der Pader und führt zu deren Trübung.

© Stadt Paderborn

Das Paderquellgebiet im Wandel der Zeit

Bis gegen Ende des 12. Jahrhunderts lag die umwallte Stadt mit der Karlsburg oberhalb der Paderquelle.
Erst danach umfaßten die Stadtmauern auch das tieferliegende Quellgebiet der Pader.
Die Erweiterung der städtischen Befestigungsanlagen - insbesondere nach 1224 - war so großzügig angelegt, dass die Bevölkerung sich nicht gezwungen sah, in dem unmittelbaren, sumpfigen Quellbereich zu siedeln.
So lag die bürgerliche Stadt des Mittelalters mit ihren Wohnhäusern, Geschäften, Kirchen und Klosteranlagen lange Zeit auf einer Geländestufe oberhalb des Paderquellgebietes.

Im unmittelbaren Quellbereich befanden sich nur die Domdechanei - die heutige Stadtbibliothek - und die Wasserkunst, mit deren Hilfe das Quellwasser in die Brunnen der höher gelegenen Stadtbezirke gepumpt wurde.

Zunehmende Bevölkerungszahlen führten im Laufe der Jahrhunderte jedoch auch zu einer allmählichen Besiedlung der unmittelbaren Quellbereiche.
So war bis zur fast völligen Zerstörung Paderborns durch die Bombenangriffe im Frühjahr 1945 ein Großteil des westlichen Paderquellgebietes derart überbaut, dass schon im Jahre 1938 ein städtebauliches Gutachten seine "Freimachung" forderte. Grün- und Freiflächen sollten bis in das Stadtzentrum ausgedehnt werden, um einen Ausgleich für die teilweise wenig hygienischen Wohnverhältnisse zu schaffen.

Im Zuge des Neuaufbaus der zerstörten Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Quellgebiet der Pader als Erholungsbereich im Herzen Paderborns angelegt und zusammen mit der Paderaue bis heute weitesgehend von einer Bebauung freigehalten - von den Getreidemühlen abgesehen.

Seine ursprüngliche Bedeutung als einzigartiger Lebensraum für viele Pflanzen- und Tierarten hat das Paderquellgebiet jedoch nie wiedererlangt. Die Einfassung der Quelltümpel und ihre Vergrößerung zu Quellteichen sowie die intensive Pflege als Park stehen dem entgegen.

Namen von Quellen und Quellarmen der Pader

Die Namen der Pader-Quellarme sind unterschiedlichen Ursprungs und leiten sich aus ihrer Lage, ihren Eigenschaften sowie ihrer historischen Funktion ab. Zum Teil änderten sich die Bezeichnungen im Laufe der Jahrhunderte. Erst im Jahr 1967 traf die Stadt Paderborn eine offizielle Regelung: Danach heißen die Quellarme des westlichen Paderquellgebietes Warme Pader, Dammpader und Börne Pader, diejenigen des östlichen Quellgebietes Rothobornpader und Dielenpader. Die Maspernpader ist der Abfluß des nördlichen Quellgebietes.

Warme Pader
Ihr Wasser hat eine höhere Temperatur (14-16°C) gegenüber den anderen Paderarmen (8-12°C). In Anlehnung an die hier ansässigen Fleischhauer und Fellgerber wurde sie in früheren Zeiten auch "Knakenhoggerpader" und "Velpader" genannt. Weil dieses Quellbecken von vielen Paderbornern zum Waschen und Spülen der Wäsche genutzt wurde, war auch der Name "Waschpader" gebräuchlich.

Dammpader
Der Name geht auf den künstlichen Damm zwischen diesem Paderarm und der Warmen Pader zurück. Bis etwa 1900 war der Name "Kolkpader" geläufiger, abgeleitet von einer Quellvertiefung, dem "blauen Kolk" im südwestllichen Teil des Quellbeckens. Dieser tiefe Quellkolk ist aber mittlerweile verfüllt worden..

Börnepader
Dieser Name bedeutet soviel wie "Tränkepader". Zu diesem flachen Quellbecken wurde in einer Zeit, da noch viele Ackerbürger in der Stadt wohnten, das Vieh zur Tränke getrieben. Hier wurde auch das Trinkwasser durch die Wasserkunst entnommen.

Rothobornpader
In dieses Quellbecken mündet unter anderem auch der Rothoborn, eine heute gefaßte Quelle unterhalb der Kaiserpfalz, die der Legende nach durch Segnung des Bischofs Rotho (1036-1051) Heilkraft erlangt haben soll. Eine sehr starke Quelle dieses Paderarms ist die im Quellkeller der Kaiserpfalz, weitere Quellen befinden sich in den Kellern der Häuser am Rothoborn und der Stadtbibliothek [mehr Eindrücke erleben].

Dielenpader
Der Name leitet sich von den früheren Wegeverhältnissen in diesem Quellbereich ab: Vor dem Bau der heutigen Straße "Auf den Dielen" reichte der Paderarm bis fast an die Häuser heran. Der erforderliche Fahr- und Fußweg bestand lediglich aus einer Lage Dielen - Brettern und Bohlen - die auf in den Flußgrund eingerammten Pfählen ruhten.

Maspernpader
Der Name geht zurück auf eine bereits im Jahre 1036 erwähnte "villa Aspethera", eine offene Siedlung im "Espengehölz", die um 1200 in die sich ausdehnende Stadt einbezogen wurde. Daraus entwickelte sich "im Aspern", "Maspern".

Augenquelle
Eine kleine unscheinbare Quelle, die unter dem Gebäude der Stadtbibliothek hervorkommt, ständig relativ sauber ist und in ihrem Chemismus kaum Schwankungen zeigt. Ihr Wasser wurde früher gern zum "Augenwaschen" genutzt, wobei sich die Leute auf den im Wasser liegenden Trittstein stellten.