Wie kann das gehen?

Man muss nicht alles neu erfinden! Die Suche nach beispielhaften Umsetzungen zu Beginn des Projekts, die die Kernidee des individuellen netzbasierten Arbeitens konsequent und flächendeckend umgesetzt hatten, war leider vergeblich. Schnell wurde klar, dass die Konzeptentwicklung der Lernstatt Paderborn ein Neu- und Umdenken erforderte, bei dem visionäre pädagogische Anforderungen und technische Innovationen miteinander abgestimmt werden mussten.

Umsetzung in Teamarbeit: Der Beirat

© Stadt PaderbornBeirat der Lernstatt Paderborn

Die Einrichtungen und Personen mit derartigen Expertisen wurden vor Ort gefunden.

Das Schulverwaltungsamt Paderborn war für 45 Schulen im Stadtgebiet verantwortlich und damit für deren Errichtung, deren Unterhaltung und deren Ausstattung mit Lehrmaterialien auch in digitaler Form.

Die GKD (Gemeinschaft für Kommunikationstechnik, Informations- und Datenverarbeitung Paderborn) ist ein kommunaler Zweckverband, der sich die ganzheitliche Betrachtung von kommunalen EDV-Lösungen zum Ziel gesetzt hat.

Die Arbeitsgruppe „Kontextuelle Informatik“ der Universität Paderborn unter Leitung von Prof. Dr.-Ing Reinhard Keil beschäftigt sich unter dem Thema Technik für Menschen gestalten auch mit dem Aspekt Lernförderliche Infrastrukturen.

Zu den besonderen Aufgabenschwerpunkten der Schulaufsicht, des Schulamts für den Kreis Paderborn und der Abteilung Schule der Bezirksregierung Detmold, gehören die Schul- und Unterrichtsentwicklung. Der Einsatz digitaler Medien leistet dabei einen wesentlichen Beitrag.

In allen Schulen Paderborns gab es technisch interessierte und pädagogisch engagierte Kolleginnen und Kollegen, die bereits unterrichtliche Erfahrungen u.a. in den Projekten Schulen ans Netz des Landes NRW und BIG – Bildungswege in der Informationsgesellschaft der Bertelsmann Stiftung gesammelt hatten.

Zur Umsetzung des zunächst dreijährigen Projekts Lernstatt Paderborn wurde eine Projektgruppe mit ausgewählten Vertretern der oben genannten Gruppen ins Leben gerufen, um möglichst alle Interessen und Anforderungen angemessen berücksichtigen zu können. Besonders mussten die Anforderungen der Pädagogen, die alternativen technischen Lösungen und deren Finanzierbarkeit immer wieder neu miteinander abgeglichen werden. Die Lösungen sollten dabei möglichst einheitlich, damit leicht administrierbar und einfach zu bedienen sein. Für einige grundsätzliche Entscheidungen wurden die Überlegungen in einem erweiterten Kreis mit interessierten Nutzern und Entscheidern aus den Schulen diskutiert und deren Rückmeldung bei der Entscheidung berücksichtigt.

Und diese verschiedenen Gruppen begleiten den anhaltenden Entwicklungsprozess durch ihren Informations- und Meinungsaustausch auch weiterhin. Alle Beteiligten haben ein anhaltendes Interesse an der Entwicklung der Lernstatt Paderborn und sehen gerade im dem überfachlichen Austausch einen entscheidenden Faktor für den Erfolg des Projekts. Deshalb wird die Arbeit u.a. in Form eines Beirats über den Projektzeitraum hinaus bis zum heutigen Tag fortgesetzt.

Miteinander im Gespräch bleiben

Gute Ideen wie die der Lernstatt Paderborn wollen nicht nur konzipiert und umgesetzt sein, sondern sie müssen im Alltag ankommen, von den Nutzern akzeptiert und gelebt werden. Diese Akzeptanz und der kontinuierliche Abgleich zwischen Planung und Bewährung im Alltag wird durch vielfältige Arbeitsgruppen und Treffen erreicht:

  • Zwei Mal im Jahr treffen sich die Medienbeauftragten der Primarschulen und die der weiterführenden Schulen. Es werden Informationen zum Projektverlauf weitergeben, technische Probleme und Entwicklungen diskutiert und schulformübergreifend Ideen und Anregungen für den unterrichtlichen Einsatz ausgetauscht. Indem die Medienbeauftragten in ihren Schulen über diese Treffen informieren, werden wichtige Informationen und aktuelle Entwicklungen an alle Beteiligten in den Schulen der Lernstatt weitergeben.
  • Damit die Lehrerinnen und Lehrer die im Medienkonzept ihrer Schule vereinbarten medien-pädagogischen Inhalte auch umsetzen können, werden Fortbildungen zu ausgewählten Themen zentral angeboten oder bei Anfrage mit der jeweiligen Schule auf deren Bedarf hin geplant.
  • Zu speziellen technischen Fragestellungen sowie zur Abstimmung von Sicherheitsfragen wurde ein Technikkreis eingerichtet. Es setzt sich zusammen aus Technikern der GKD und sachkundigen Pädagogen.
  • Der Support hat sich zu einer tragenden Säule entwickelt, der wesentlich zur Akzeptanz und unterrichtlichen Nutzung der bereitgestellten Infrastruktur beiträgt. Fragen und Probleme im Alltag werden zunächst an die Medienbeauftragten der eigenen Schule weitergegeben. In einem zweiten Schritt können die Techniker der GKD über eine Hotline angefragt werden. Oft fährt daraufhin ein Techniker in die Schule, um durch eigene Beobachtungen und im Gespräch die Ursachen des Problems vor Ort zu ergründen. Dabei werden nicht selten weitere Alltagssorgen entdeckt oder noch andere Fragen schnell und unkompliziert beantwortet.
  • Durch Veranstaltungen wie die Teilnahme an Wettbewerben und lernstattweiten Feiern haben die Schulen immer wieder Gelegenheit, die Ergebnisse ihrer Arbeit mit digitalen Medien auch schulübergreifend zu präsentieren und so in einen Austausch zu kommen.

Dem Wandel begegnen

Die digitale Welt verändert sich in einem atemberaubenden Tempo und damit nicht nur die nutzbaren digitalen Werkzeuge und Dienste, sondern auch die Themen, die in der Schule angesprochen werden müssen. Mit dem neuen Projekt Lernstatt 2020 soll dem Rechnung getragen werden.

Bei der Entwicklung des neuen Konzepts zeigte sich, dass die ursprünglichen Kernideen nach wie vor Gültigkeit haben und auch in Zukunft tragen werden. Auch die Organisation und die verschiedenen Ebenen des Dialogs haben sich bewährt und werden fortgesetzt.

Der technischen Entwicklung sei Dank: Mit Hilfe mobiler Geräte wie den Tablets können digitale Medien inzwischen viel besser und unmittelbarer auch individuelle Lernprozesse und andere Lernszenarien unterstützen. Die Ursprungsidee der Lernstätten wird damit noch konsequenter umgesetzt. Deshalb soll die vorhandene Infrastruktur für die flächendeckende Nutzung von Tablets angepasst und darauf geachtet werden, dass auch diese Erweiterung nachhaltig betrieben werden kann.