Walking Bus - der aktive Schulweg

Zeitbombe Übergewicht - »Walking bus«
als Präventionsmaßnahme

Glaubt man aktuellen Schlagzeilen, dann schwächeln Deutschlands Kinder in jeder Beziehung: Sie sind nicht stressresistent, sie sind sozial verarmt, geistig unterbelichtet und körperlich kaum belastbar, mehr fett als fit. Vor allem der körperliche Zustand der jungen Generation gerät immer stärker in den Fokus der Öffentlichkeit. Nach dem PISA-Schock also jetzt der Fett-Schock.

Die junge Generation scheint eindeutig auf dem Wege in eine übergewichtige Gesellschaft zu sein. Derzeit kann man laut der KiGGS-Studie von durchschnittlich 15 % übergewichtigen Kindern ausgehen, von denen 6,3 % als fettleibig eingestuft werden. Die Tendenz ist steigend! Wegen der Folgen für die individuelle und die gesellschaftliche Entwicklung sind Übergewicht und Fettleibigkeit als Zeitbombe anzusehen, die es dringend zu entschärfen gilt.

Eine Möglichkeit, die Forderung umzusetzen, bildet das Projekt Walking Bus. Dabei handelt es sich um ein Vorhaben, an dem alle Personen und Institutionen eine wichtige Rolle spielen, die am Alltag von Heranwachsenden beteiligt sind: Eltern, Freunde, Nachbarn, Lehrer, Schule, Polizei, Gemeinde.

Ziel der Modellmaßnahme Walking Bus ist der tägliche Weg zur Schule, den die Schulkinder zu Fuß gehen und dabei körperlich aktiv sind. Der Bus fährt nicht wirklich, sondern die Kinder spielen in Begleitung der Erwachsenen Bus mit Haltestellen, festen Routen und Fahrzeiten.
In England hat sich der Walking Bus bereits national durchgesetzt und erfährt auch in Deutschland zunehmende Beliebtheit, Akzeptanz und Nachfrage.

Im Frühjahr 2005 wurde der erste Walking Bus als Modellversuch unter der Leitung von Prof. Dr. Brettschneider (Universität Paderborn) an einer kleinen Grundschule in Dahl eingerichtet. Die Begeisterung aller Beteiligten war so groß, dass der Walking Bus in Zusammenarbeit mit den Verkehrssicherheitsberatern der Kreispolizeibehörde Paderborn, der AOK Westfalen-Lippe und der Sparkassenstiftung Paderborn schon nach kurzer Zeit auch an anderen Grundschulen im Kreis Paderborn eingerichtet wurde. Heute –  gut drei Jahre später – läuft der Walking Bus bereits erfolgreich an 28 Schulen im Kreis. Auf rund 50 unterschiedlichen Walking Bus-Linien gelangen zwischen 1300 und 1500 Kinder täglich zu Fuß zur Schule. Auch überregional nehmen die Nachfrage nach und die Einrichtung von Walking Bus-Linien stetig zu.

In einer kleinen Pilotstudie unter der Leitung von Prof. Dr. Brettschneider konnten bereits einige Vorteile des aktiven Schulwegs belegt werden. Kinder, die zu Fuß zur Schule gehen, bewegen sich wöchentlich – einschließlich des Wochenendes – mehr als die Kinder, die mit dem Auto zur Schule gefahren werden. Außerdem können sich die Kinder, die zu Fuß zur Schule gehen, in den ersten Schulstunden nachweislich besser konzentrieren. Da die besten Konzentrationsleistungen aber die Walking Bus-Kinder zeigen, schafft neben der körperlichen Aktivität offensichtlich auch der gemeinsame Schulweg in einer Gruppe günstige Lernvoraussetzungen.

In einer von der AOK Westfalen-Lippe in Auftrag gegebenen Studie sollen die bereits vorliegenden Ergebnisse in einem längsschnittlichen Design erweitern und untermauert werden. Die Ergebnisse der Untersuchung, die ebenfalls unter der Leitung von Prof. Dr. Brettschneider durchgeführt wird, werden voraussichtlich im Anfang 2009 vorliegen.