Lernstatt Paderborn

Mit der “Lernstatt Paderborn“ betreibt die Stadt Paderborn eine durchgängige, alltagstaugliche, nachhaltige und wartungsarme IT-Infrastruktur in allen städtischen Schulen.

© Stadt Paderborn

Was bedeutet Lernstatt?

Der Name Lernstatt ist kein Schreibfehler. Er drückt die Leitlinie aus, die hinter dem Aufbau und der Weiterentwicklung dieser städtischen Schulinfrastruktur steht: „Stätten des Lernens sind Stätten sozialer Interaktion“.

Für die Entwicklung einer digitalen Infrastruktur bedeutet das zweierlei:

  • Zum einen steht der Mensch und das gemeinsame Handeln mit anderen Menschen im Vordergrund. Die vielfältigen Prozesse der Kommunikation und Kooperation, des Unterrichtens und des Lernens sollen unterstützt und verbessert werden.
  • Zum anderen geht es um die Verknüpfung aller Lernorte, denn Lernprozesse hören zeitlich nicht mit dem Klingeln der Schulglocke und räumlich nicht mit dem Verlassen des Klassenraums auf. Deshalb gilt es, alle Lernorte innerhalb und außerhalb der Schule miteinander zu verbinden.

Das erfordert viele technische Geräte und Software, aber noch viel mehr erfordert es, alle Schüler und Schülerinnen mit einer Identität im Netz auszustatten. Erst dann ist es möglich, hybride Lernwelten zu gestalten, bei denen die Technik nicht genutzt wird, um persönliche Interaktion zu ersetzen, sondern um sie zu verstetigen und dabei je nach Situation auch Lehrende oder Eltern mit einzubeziehen. Lernstatt schafft so einen medialen Raum, der natürliche Lernräume nicht ersetzt, sondern diese ergänzt, indem Lernräume miteinander verbunden und zugleich auch neue Lernräume erschlossen werden können.

Anforderungen an eine lernförderliche Infrastruktur

Das klingt zunächst plausibel und recht einfach, doch sind damit enorme Anforderungen an den Aufbau einer digitalen Infrastruktur verbunden. Die Ausstattung muss vier grundlegende Qualitätsanforderungen erfüllen:

  • Durchgängigkeit in Bezug auf die Verfügbarkeit von Geräten und Diensten an allen potentiellen Lernorten.
  • Alltagstauglichkeit im Hinblick auf die tägliche Nutzung durch über 20.000 Lernende und Lehrende.
  • Nachhaltigkeit, damit die immensen Betriebskosten und der Aufwand für Erneuerungen und zukünftige Erweiterungen von einem Schulträger aufgebracht werden können.
  • Rechtskonformität, um die Belange des Jugend- und Datenschutzes zu berücksichtigen, sowie einschlägigen Sicherheitsanforderungen nachzukommen.

Eine Lernstatt mit solchen Qualitäten entsteht nicht über Nacht und sie ist auch nicht ein einzelnes, zeitlich befristetes Projekt. Sie geht mit Strukturveränderungen einher, erfordert zusätzliches Personal für die Administration sowie zusätzlichen Aufwand für Schulen und Lehrende, aber sie ist in Zeiten, in denen die Digitalisierung alle gesellschaftlichen Bereiche erfasst, unverzichtbar. Bildung muss nicht für alle gleich sein, aber sie muss infrastrukturell dafür sorgen, dass sie allen zur Verfügung steht und ihnen prinzipiell dieselben Möglichkeiten eröffnet sich zu entwickeln, unabhängig von der Schulform und dem Schulstandort.

Videobeitrag zur Lernstatt Paderborn

Lernstatt in Zahlen

  • Alle 37 Paderborner Schulen sind vernetzt und werden im Ausstattungskonzept berücksichtigt.
  • Mehr als 20.000 Schulkinder haben mit ihrer Einschulung eine Netzidentität erhalten und behalten diese auch bei Versetzungen und beim Schulwechsel innerhalb des Stadtgebiets.
  • Rund 45 Server und etwa 3.000 Endgeräte (Clients) ermöglichen das Arbeiten in Medienecken, Klassenräumen, Schulbibliotheken und schulischen Internet-Cafés ebenso wie in den Lehrerzimmern.

Angesichts solcher Zahlen ist nachvollziehbar, warum die Lernstatt Paderborn in Mitteleuropa immer noch einzigartig ist.

Eine lernförderliche Infrastruktur ist keine abgeschlossene Einzelmaßnahme; sie muss kontinuierlich erneuert, angepasst und erweitert werden, um wechselnde und auch wachsende Ansprüche erfüllen zu können. Vielfältige Gestaltungskonflikte und teilweise widersprüchliche Interessen müssen immer wieder austariert und Prioritäten neu gesetzt werden. Lernförderliche Infrastrukturen verkörpern selbst einen komplexen Lernprozess, der die kontinuierliche Zusammenarbeit aller Beteiligten erfordert. Die weiteren Webseiten zeigen einen kleinen Ausschnitt aus der Lernstatt-Geschichte seit dem Jahr 2001.